Passivhaus oder konventionelles Haus

Einen hervorragenden Gastartikel hab ich von Johannes Haerle bekommen. Johannes ist gelernter Bauzeichner und Energietechnikstudent in Biberach. Er ist mir durch besonders kompetente Kommentare zu technischen Themen hier im Blog aufgefallen und auf meine Bitte erklärte er sich bereit einen Text als Gastartikel freizugeben. Es handelt sich um eine Amortisationsrechnung für ein Passivhaus. Ich poste daher diesen Artikel in meiner Reihe „Hausbauentscheidungen“ zu Thema Passivhaus ja oder nein.

Vergessen Sie alle negativen Gerüchte über Passivhäuser, die Sie bisher gehört haben.

  • In einem Passivhaus darf man immer die Fenster öffnen (es ist nur nicht mehr nötig)
  • In einem Passivhaus ist es NICHT frierend kalt (es kann im schlimmsten Fall mit einem Föhn am kältesten Wintertag beheizt werden, und wenn Sie frieren, sollten Sie vielleicht die Fenster schließen 😉
  • Ein Passivhaus wird ab 2020 nach verabreichten EU-Beschlüssen Pflicht sein.
  • Ein Passivhaus hat sehr angenehme Oberflächentemperaturen aufgrund der guten Dämmung, die einer Flächenheizung ähneln.
  • Ein Passivhaus „atmet“ besser als jedes andere Haus ohne Lüftungsanlage, egal welche Dämmstoffe oder Baumaterialien Sie verwenden.
  • Ein Passivhaus kann genauso diffusionsoffen gebaut werden, wie konventionelle Häuser (auch wenn dieses Kriterium entgegen dem allgemeinen Gerücht keine Auswirkungen auf die Baubiologie hat).
  • Ein Passivhaus sollte ohne Baumängel luftdicht ausgeführt werden (was eine Dampfdiffusion nicht ausschließt und auch dem heutigen Standard eines NICHT-Passivhauses entspricht).
  • Das Passivhaus hat wesentlich bessere und gesündere Luftqualität über das ganze Jahr aufgrund der geregelten Lüftungsanlage, die speziell Allergikern zugute kommt.
  • Ein Passivhaus schimmelt nicht (Kondenswasserbildung, die Schimmel verursachen, kann man physikalisch über das Glaser-Verfahren nachweisen, was seriöse Planer auch machen! Kondenswasser bilden sich nur bei diffusionsdichten Materialien ohne Dämmwert (Folien/ Bleche/ Glas/ Zelte/ schlecht gedämmten Häusern, ganz besonders bei Innendämmung!).
  • Das Passivhaus hat in den Wintermonaten nicht trockenere Raumluft als ein konventionelles Haus, bei dem nach Norm Fenstergelüftet wird (leider wird es das aber meistens auf Kosten der Gesundheit nicht); im Gegenteil, bei Enthalpie-Wärmetauschern im Lüftungsgerät ist die Luft eher feuchter und Gesünder als in konventionellen Bauten
  • Ein Passivhaus ist nicht unwirtschaftlich teuer
  • Wirtschaftlichkeitsvergleich zwischen Passivhaus und konventionellem Haus:

    Ist ein konventionelles KFW70-Haus, dass gerade so die heutigen Einsparverordnungen erfüllt, überhaupt noch wirtschaftlich?
    Oder sollte man heute in Blick auf die zukünftigen Energiepreise nur noch Passivhäuser bauen?
    Was sollte ein Passivhaus heutzutage mehr kosten, als ein konventionelles KFW70-Haus?

    Um diese Frage beantworten zu können, muss man erst einmal definieren, was an einem Passivhaus anders gebaut wird, wie bei einem konventionellen Haus:

    Dämmung

    Bei einem Passivhaus wird doppelt bis 3fach soviel Dämmung verbaut, als bei einem konventionellen KFW70-Haus.
    Die Kosten* dafür sollten vom Hausbauer ungefähr wie folgt sein (Stand 2012):

    Stärke/m² Mineralwolle Styropor WDVS Styrodur Hanf Holzweichfaser WDVS Zellulose
    10cm (KFW70) 4 €/m² 8 €/m² 32€/m² 14€/m² 32 €/m² 11 €/m²
    20cm (KFW40) 8 €/m² 16 €/m² 64€/m² 28 €/m² 64 €/m² 22 €/m²
    30cm (Passiv) 12 €/m² 24 €/m² 96€/m² 42 €/m² 96 €/m² 33 €/m²

    * Handelsübliche Preise bei www.bausep.de

    Die Anbringungskosten des Dämmmaterials fallen immer an, egal ob man 10cm oder 30cm anbringt, und sollten bei einem seriösen Hausbauer wenn überhaupt nur sehr geringfügig teurer werden.

    Das Verhältniss Außen-Hüllfläche zu Wohnfläche ist bei kleinen Häusern (ca. 100-140m² Gesamt-Wohnfläche) ca 3 zu 1 (3m² Außenfläche zu 1m² Wohnfläche). Bei Größeren Häusern reduziert es sich auf ca 2 zu 1 (bei ca. 200m² Gesamt-Wohnfläche). Dieser Faktor ist natürlich abhängig von Gauben/Erkern/Wintergärten/Vorbauten, etc, die das Verhältnis Außenhüllfläche zu Wohnfläche verschlechtern. Aber als Faustwerte kann man diese Werte annehmen:

    Das bedeutet im Klartext, das ein Passivhaus mit 100m² Wohnfläche und Mineralwoll-Dämmung 3 * 8€ (Wert aus Tabelle oben!) = 24€/m² Wohnfläche teurer ist, als dasselbe Haus im KFW70-Standard.
    Bei einem Holzweichfaser-WDVS sind es dagegen schon 3 * 64€ = 192€/m² Wohnfläche.

    Sie merken aber schnell, bei Schlüsselfertigen Hauspreisen von ca. 1200€/m² sind das 2-16% Mehrkosten für Dämmung, je nach Dämmmaterial.

    EINSPARUNGEN:
    Die Einsparungen liegen dabei durch die Dämmung bei ~40 kWh/ (Jahr * m² Wohnfläche);

    => bei einem Energiepreis von aktuell 9ct/kWh:
    40kWh / (Jahr * m²) * 0,09€/kWh = 3,60€/ (Jahr * m²) Einsparung (bei gleich bleibenden Energiepreisen)

    => Amortisationszeit:
    24€/m² / (3,60€/ (Jahr * m²)) = 6,7 Jahre (bei dem billigsten Dämmmaterial!)

    Bei jährlich angenommen 6,5% Energiepreissteigerungen (aus den Preisen des letzten Jahrzehnts ermittelt) ergibt sich ein Energiepreis von ca.

    0,09€/kWh * 1,065^20Jahre = 0,32€/ kWh in 20 Jahren

    Der Durchschnittspreis dieser kommenden 20 Jahres-Periode ist anzunehmen mit:

    0,09€/kWh * 1,065^10Jahre = 0,17€/kWh

    Das macht dann Einsparungen im Durchschnitt auf die nächsten 20 Jahre gesehen von ca. 6,80€/ m² jährlich. Damit Amortisiert sich die Mehrdämmung schon nach 5-25Jahren je nach Preis des Dämmmaterials.

    FAZIT:
    Bei diesem spekulativen Energiepreis rentiert sich selbst die teuerste Passivhausdämmung also bereits schon nach ca. 25 Jahren, die billigste sogar nach 5 Jahren!

    Und wenn Sie dann bedenken, dass Sie bei Sanierungs-Dämmarbeiten in 25 Jahren bei einem KFW70-Haus nicht nur das Mehrmaterial, sondern auch das Einrüsten, und neu Verputzen dazurechnen müssen, sollten Sie AUF JEDEN FALL ihr Haus bereits heute schon im Passivhausstandard zumindest Dämmen, auch wenn Sie die anderen Passivhaus-Maßnahmen nicht erfüllen wollen. Sie beißen sich in 25 Jahren sonst in den Hintern, dass Sie es nicht gleich getan haben.
    Und wenn Sie Sanieren, dann gilt ebenfalls: Gleich richtig Dämmen, damit Sie in 15 Jahren nicht nochmal dasselbe Spiel machen müssen.

    AN DÄMMUNG SOLLTE MAN SCHON HEUTE NICHT SPAREN, DA DAS MATERIAL ZU BILLIG IN DER ANSCHAFFUNG IST, UM ETWAS SPAREN ZU KÖNNEN, selbst bei teuren, ökologischen Dämmmaterialien!

    Fenster

    Bei einem Passivhaus wird 3-Scheiben-Verglasung statt 2 Scheiben-Verglasung eingebaut. Wichtig dabei ist noch ein gedämmter Rahmen, da dieser das schlechteste Bestandteil des gut gedämmten Fensters und somit Wärmebrücken bildet.
    Dreischeibenverglasung ist ca. 50% teurer, als Zweischeibenverglasung (Stand 2010). Bei 200€/m² Fensterfläche sind das bei einem Einfamilienhaus mit 140m² statt 6500€ ca. 9750€ insgesamt, und 175€/m² Fensterfläche.

    EINSPARUNGEN:
    Sparen können Sie in etwa 26kWh / (Jahr * m² Fensterfläche). Bei einem durchschnittlichen Energiepreis von 17ct/kWh in den nächsten 25 Jahren (Berechnung analog zu Wärmedämmung oben!) rentieren sich die Fenster in annäherungsweise 19,8 Jahren.

    FAZIT:
    Da nach der EnEV 2013 sowieso nur noch 3-Scheiben-Verglasung erlaubt sein wird, darf man auch im KFW70-Haus keine anderen mehr verbauen.

    Hier gibt es in Zukunft also keinen Preisunterschied im KFW70-Haus und im Passivhaus mehr!

    Für die Sanierung fällt bei neuen Fenstern das Einrüsten und Verputzen weg! Wenn Sie beim Hausbau in der Anschaffung also Geld sparen wollen, dann in Jedem Fall hier, da ein Nachrüsten neuer Fenster wesentlich billiger wie eine aufwändige Fassadennachdämmung sein wird.

    Heizung

    Die Heizung ist das teuerste am KFW70-Haus. Inkl. Radiatoren, Verrohrung, Brenner und Anschluss/Brennstofflager sind schnell 20.000-35.000€ je nach Heizart zu berappen.
    Im Passivhaus muss diese ganz wegfallen und damit auch die verbundenen Kosten, da ein Passivhaus mit einer zentralen Lüftungsheizung beheizt wird, die einen ähnlichen Preis wie die konventionelle Heizungsanlage besitzt. Eine Lueftungsheizung funktioniert ähnlich wie im Auto.

    Während im KFW70-Haus auch im kältesten Winter Fenstergelüftet werden muss, und damit sehr viel Heizwärme verpufft, tauscht im Passivhaus die Lüftungsanlage ohne Fensterlüftung das ganze Jahr über aus. Eine Wärmerückgewinnung holt selbst an den kältesten Wintertagen mindestens 50% der Wärme aus der Abluft zurück. Ist Ihnen zu warm, sollten Sie auch im Passivhaus zusätzlich Fensterlüften, auch wenn es von der Luftqualität nicht erforderlich wäre.

    LUFTBEHANDLUNG DURCH LÜFTUNGSANLAGE:
    Generell haben Sie in einem Passivhaus wesentlich gesündere Luft, als in einem KFW70-Haus, da die Lüftungsanlage Luftschmutzpartikel bis sogar zu Gerüchen je nach Filter herausfiltern kann, und Sie auch ohne Fensterlüften frische Luft im Hause haben.
    Ebenfalls werden an kalten Wintertagen die Zuluft zentral nachgeheizt, damit Sie auch im Passivhaus nie frieren müssen.
    Evt. können auch Enthalpie-Wärmetauscher oder Rotationswärmetauscher in der Lüftungsanlage die Abluft-Feuchte auf die Zuluft übertragen, um zu trockene Luft in den Wintermonaten zu vermeiden.
    Gerade Rotationswärmetauscher zeigen an besonders kalten Tagen auch aufgrund der Feuchteübertragung besonders hohe Wärmerückgewinnungszahlen in der Praxis, während konventionelle Plattenwärmetauscher enteisen, und damit Ihren Wirkungsgrad zusammenbricht. Deshalb sind Rotationswärmetauscher auch in den skandinavischen Ländern sehr beliebt und für das Passivhaus wärmstens zu empfehlen (auch wenn der Hersteller-Wirkungsgrad der Plattenwärmetauscher höher angegeben wird).
    Die relative Raumluftfeuchte sollte aber selbst mit einem konventionellen Plattenwärmetauscher dieselben Werte wie im KFW70-Haus haben, sonst lüften Sie im KFW70-Haus zu wenig über die Fenster! Das erzeugt überhöhte CO2-Gehalte in der Raumluft, die Müdigkeit und Gesundheitsschäden verursachen.

    FAZIT:
    VERBAUEN SIE IM PASSIVHAUS NIE EINE FUSSBODENHEIZUNG, WÄRMEPUMPE, PELLETS ODER ÄHNLICH TEURE HEIZSYSTEME! Diese rentieren sich aufgrund des niedrigen Verbrauchs in frühstens 50-90 Jahren und fördern nur das Honorar Ihrer Baufirma! Dies sind meist Folgen von schlechter Planung.
    EINE LÜFTUNGSHEIZUNG MIT THERMOSOLAR-UNTERSTÜTZUNG FÜR WARMWASSER UND LÜFTUNGS-NACHHEIZUNG (4-12m² je nach Hausbewohneranzahl) IST DIE EINZIG SINNVOLLE INVESTITION IM PASSIVHAUS. LEDIGLICH IM BAD RENTIERT SICH EIN GEBLÄSE-KONVEKTOR (elektrisch!!!) ZUM SCHNELLEN AUFHEIZEN! Eine Flächenheizung mit sehr trägen Aufheizverhalten ist aufgrund der hohen Oberflächentemperaturen im Passivhaus durch die gute Dämmung nicht nötig und aufgrund der teuren Anschaffung gegenüber dem elektrischen Gebläse-Konvektor so gut wie NIE rentabel. Auch wenn elektrische Heizungen als Klimaschädlich verschrieen sind; hier lohnt sie sich wirklich auch in ökologischer Hinsicht!

    Die MEHRKOSTEN eines Passivhauses belaufen sich also bei seriösen Anbietern lediglich auf die Mehrkosten der dickeren Dämmung, was 2-16% je nach Dämmmaterial ist. Alles andere ist Betrug von unseriösen Anbietern, die mit Passivhäusern Geld machen wollen, oder wird durch dickköpfige Bauherren hervorgerufen, die unbedingt auf eine teure, konventionelle Heizung bestehen und damit selbst Schuld an teuren Investitionen sind.


  1. Peter Grück

    Als Bausachverständiger habe ich selten soviel Unsinn wie auf dieser Seite gefunden. Dürfte von einer Lobby finanziert bzw. selbst erstellt worden sein und zeugt von wenig Kenntnis.
    Bitte sich objektivere Meinungen besorgen, wobei ich zugeben muss, dass dies sehr schwierig ist, da man fast nur Aufsätze von den vielen Lobbys im Netz findet, die jedoch alleprimär Eigeninteressen vertreten.
    Sorry, ist aber bei kritischer Betrachtung so!
    PG

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    1. comment by losmuchachos
      admin

      Danke für das nette Lob und die aussagekräftige Kritik. Nachdem mir die Lobby ja hinten und vorne Geld reinschiebt muss ich aber jetzt kurz mal auf die Bahamas und hab keine Zeit mich weiter mit solchen inhaltslosen Kommentaren zu beschäftigen. Ich bin dann mal weg…….

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  2. Peter Grück

    admin zeigt wie Menschen manipuliert werden können, wenn Sie nicht mit kritischen Denken ausgestattet worden sind. Viel Freunde mit ökologisch und ökonomisch unsinnigem Passivhaus. (ist übrigens beweisbar und in einigen Aufsätzen und Untersuchungen bestätigt worden)
    Daher träum weiter!

    Antworten
  3. Peter Grück

    admin zeigt wie Menschen manipuliert werden können, wenn Sie nicht mit kritischen Denken ausgestattet worden sind. Viel Freunde mit ökologisch und ökonomisch unsinnigem Passivhaus. (ist übrigens beweisbar und in einigen Aufsätzen und Untersuchungen bereits bestätigt worden)
    Daher Muchacho träum weiter!

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  4. katze

    Ein bisschen einfach hat es sich der Schreiber des Artikels schon gemacht, da muss ich Herrn Glück Recht geben.
    Zusätzliche Kosten, die beim Passivhaus entstehen sind:
    – Ausbildung der Dampfbremse für Blower Door 0,6 (das ist eine echte planerische Leistung und verkompliziert einige Details!)
    – Es ist schon ein Unterschied ob ich Dübel für 10 cm Dämmung bzw. für 30 cm brauche. Außerdem ist die Stärke der Dämmung begrenzt und muss dann irgendwann zweilagig aufgebracht werden, das sind dann gleich doppelte Kosten (Lohn)
    – Z.B. der Holzständerbau hat bei einer höheren Dämmung auch stärkere Ständer = mehr Holz = größere Verbindungsmittel …. auch hier Mehrkosten
    – Und was ist mit Warmwasser? Eine Heizung macht Heizung warm und Warmwasser. Nur auf die Sonne will ich mich beim Duschen nicht verlassen! Vor allem frühs. Naja, soll ja gut für den Kreislauf sein:-)
    Also praktisch betrachtet ist der Artikel wirklich nicht besonders richtig.

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  5. katze

    Achso, noch kurz an Herrn Grück:
    Könnten Sie einen link zu einem Gegenartikel angeben?
    Würd mich freuen.

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