Kann man mit Kaminofen oder Kachelofen Heizkosten sparen ?

Beim Schreiben eines Artikels über die Wahl der besten Energiequelle für Wohnraumheizung ist mir eingefallen, dass ich noch einen alten Entwurf über Kaminöfen „im Feuer“ habe. Gibt wohl kaum eine bessere Zeit als diese kalten Tage den auch zu veröffentlichen.

Es geht um die in Zeiten der Heizkostensteigerungen und Rohstoffknappheit immer beliebter werdenden Kaminöfen. Viele Menschen kaufen sich diese Kaminöfen weil sie glauben damit etwas gutes für Ihren Geldbeutel und für die Umwelt zu tun, aber ist das auch so ???

Ich vergleiche die Energiekosten einer „älteren“ Heizungsart (Gasheizung), einer modernen Heizung (Wärmepumpe) sowie dem Kaminofen. Wie immer bei diesen Rechnungen stimmen die Werte nur näherungsweise, aber die sich ergebende Tendenz stimmt.

Energiekosten einer Gasheizung

Kosten derzeit für eine kWh Gasleistung (Erdgas) ist ca 7 Cent. Moderne Gasthermen können diese Leistung mehr oder weniger vollständig in nutzbare Wärmeenergie umwandeln. Als Verluste für Bereitstellung und Verteilung können etwa 5% angenommen werden. Ergibt sich also ein Preis von 7,35 Cent/kWh

Energiekosten einer Wärmepumpe

Die Wärmepumpe wird mit Strom betrieben. Der Wärmepumpenstrom kostet derzeit (bei meinem Anbieter, Ökostrom) ca 13 Cent/kWh eine durchschnittliche Wärmepumpe sollte auf jeden Fall eine Jahresarbeitszahl von 4 schaffen, was bedeutet, dass aus einer kWh Strom das vierfache an Wärmeenergie gewonnen wird. Es werden ebenfalls wieder 5% Verluste angesetzt, was einen kWh Preis von 3,41 Cent ergibt, also weniger als der Hälfte des Gaspreises.

Energiekosten von Stückholz – Meterware

Nachdem sich erhebliche Differenzen ergeben wie Holz eingekauft wird, rechne ich 2 Varianten. Der sparsame Heizer kauft Meterware. Dieses Holz ist geschlichtet und es ergibt sich ein durchschnittliches Gewicht von 750kg pro Raummeter Buchenholz. Der Heizwert von trockenem Buchenholz liegt bei 4,2 kWh/kg. Der Raummeter günstig eingekauft kostet ca 60 Euro. Man muss also das Holz selber noch sägen und hacken, dafür ergibt sich ein sehr günstiger kWh Preis von 1,9 Cent.

Energiekosten von Stückholz – Scheitholz

Nicht so gut sieht es beim bequemen Kaminheizer aus. Fertiges Scheitholz kostet zwar nicht mehr, wird aber üblicherweise „geschüttet“. Nachteil am Schüttraummeter ist, dass er nur ca. die Hälfte an Holzgewicht auf die Waage bringt. Somit verdoppeln sich die Energiekosten auf 3,8 Cent.

Der bequeme Heizer heizt also bereits teurer als mit Wärmepumpe. Es kommt aber noch besser:

  • Diesen Heizwert schafft man nur mit gut gelagertem, trockenen Holz. Nur minimal höhere Feuchtigkeit läßt die Heizwerte in Grund und Boden sinken. Brennholz wird aber oft halbtrocken verkauft, muss ideal gelagert werden usw.
  • Kaminöfen heizen mit einer maximalen Effizienz von 50%. Kachelöfen marginal besser. Somit hat man zwar die Wärme direkt im Wohnraum und keine Verteilungsverluste, man heizt aber 50% zum Kamin raus.
  • Kaminofenheizen ist wenig kontrollierbar. Üblicherweise wird es viel zu warm, man öffnet die Türen und hofft die Wärme etwas im Haus verteilen zu können, etwas später öffnet man die ersten Fenster, weil die Luft ohnehin schlecht ist. Die Raumtemperatur ist viel höher als mit Zentralheizung, man kann also keinesfalls alles, was man mit Kaminofen heizt auch bei der Zentralheizung auch einsparen. Bei einer trägen Fussbodenheizung heizt man überhaupt fast doppelt. Man hat es dann zwar recht gut warm, aber gespart hat man gar nichts.
  • Berücksichtigt man nur den Faktor der geringen Effizienz von solchen Kaminöfen, dann heizt man bereits teurer als mit Gas. Dafür schleppt man Holz durch die Gegend, schlichtet es 3 mal um, sägt und hackt, hat Staub und Gestank im Wohnzimmer, verbreitet Russ in seinem Haus usw.

    Und die Umwelt

    Dass Kaminöfen CO2 neutral heizen mag ja stimmen, aber abgesehen davon sind sie die reinsten Dreckschleudern. Feinstaub, Russ, Abgase werden in die Luft geblasen, dass einem schlecht werden könnte. Dass dann viele noch Sachen verheizen mit denen man reines Gift produziert und in die Gegend bläst ist eine weitere Sache. Man achte mal auf die schwarzen Rauchwolken, die aus so manchem Kamin steigen. Holz verbrennt nicht so. Selbst Zeitungspapier zum Anheizen ist nicht unproblematisch. Wer also glaubt der Umwelt was gutes zu tun, liegt völlig daneben.

    Kein gutes Urteil für die Kaminöfen, das gebe ich zu. Ich besitze selber ein traumhaft schönes Stück und heize es fast jeden Tag, ich schätze die Wärme, die Gemütlichkeit und das Flair, aber dass man es für den Geldbeutel oder die Umwelt macht sollte man sich nicht vormachen.


    1. Bernd

      Hallo,
      auch ich habe einen Ofen bei mir zu Hause stehen- einen Kachelofen. Ich brauche dafür ungefähr 250 Euro im Jahr. Das ist zwar schön gemütlich, macht aber viel Arbeit im Vergleich zu einer neuen Heizung.
      Ich warte ja auf eine Elektroheizung, die mit Ökostrom läuft 🙂 wenn es sowas gibt, bin ich als erster dabei.

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      1. comment by losmuchachos
        admin

        Es gibt Elektroheizungen und es gibt Ökostrom ! Wo liegt das Problem ???

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    2. Jürgen

      Die Kachelofenwärme ist schon was feines. Doch was wirklich ärgerlich macht, ist die Tatsache, dass es bis heute keinen vernünftigen stationären Feinstaubfilter gibt, der die Feinstäube schön ordentlich aus den Abgasen filtert!
      Noch ein Tipp am Rande für alle Kachelofenbetreiber:
      Schaut mal in Eurer Nähe nach einem Hersteller von Exportholzkisten, der lediglich Holz verwendet, das mittels Hitze getrocknet von Ungeziefern frei und haltbar gemacht wird.
      Derartiges ansonsten unbehandeltes Fichtenholz eignet sich absolut zum Anheizen eines Kachelofens und erst wenn genügend Holz glüht, kommt das ebenfalls gut gelagerte Brennholz zum Einsatz. Während des Anbrennvorganges stelle ich ein Zimmerfenster bewußt auf Kippe, so kann das Feuer bei absolut aktiver Sauerstoffzufuhr in kürzester Zeit ausreichend Glut erzeugen.
      Es tritt der Effekt ein, dass der Ofen so gut wie gar keinen Qualm entstehen läßt, da kurzfristig ein super effektiver Verbrennungsprozeß in Gang gesetzt wird. Nach 10 Minuten Fenster schließen und Wärme genießen!

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      1. comment by losmuchachos
        admin

        hallo jürgen,

        danke für deine interessanten tipps. das mit dem offenen fenster kann ich bestätigen. lgm

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    3. Thomas

      Hallo liebeSpezialisten!

      Ich hab Aussenwaende mit49er Wandstaerke,Rohdichte0,8.Aussenputz,Innenputz,Baujahr1994.
      Kachelofen mit Herd zum Kochen.Wohnflaeche 100qm,davon70qm im1.OG,30qm imDG.Aufdachdaemmung 16(sechzehn)cm Backkorkplatten,Dachdeckung mit Ziegel,SichtbarerPfettendachstuhl mit gehobelterSchalung.
      Soviel mal zum’Aufbau‘.

      Kachelofen ist Strahlungsheizer.Um eine angenehme Raumtemperatur zu haben,brauchts Speichermasse in Form von lnnenwaenden,z.b.Rohdichte1,4(1;8).

      Es geht um die Aussenhuelle eines Hauses.Um ein Konzept richtig zuende zudenken,sind nicht nur kwerte,Daemmstaerken usw massgebend,sondern zusaetzliche Faktoren.
      Gelernt haben wir ja aus den diversen Novellierungen der Enev die dann auf einmal auch die Ausrichtung und G roesse der Suedfenster,Westfenster usw miteinbezogen hat.

      hier im Alpenvorland gibts umlaufende Holzbalkone,die zwar keiner mehr streichen will,die jedoch sehr wichtig sind.
      Bei Sonnenschein und einfallswinkel 21.12.von19Grad scheint die Sonne sehr flach auf dieWand und beginnt diese zuErwaermen.TrotzAussentemperaturen imMinusbereich,genuegend Speichermasse derWand-eben durch Wandstaerke und Gewicht zu erreichen-
      Die waermere Wand zurAussenluft steigt nun ganz nah an derAussenwand hoch,sofort zieht sie die Kaltluft als Luftstrom nach und kuehlt diese wieder ab.gottseidank ist da mitgedacht,und der Holzbalkon bremst diesen Luftstromab,ebenso wie Gesimse,die man halt“frueher“noch machte.

      imSommer ists genau umgekehrt,die Sonne steht am21.6.unter62Grad fast senkrecht,derSommer 2003
      ist da noch inErinnerung.UnbeschatteteWaende saugen die Waerme auf und leiten sie nach innen,wo es dann ueber die Zeitschiene immer unertraeglicher wird.Otto Normali wuenscht sich nun ne Markise,die braucht man ja nicht streichen,nach15Jahren faellt sie dann sowieso runter:-)
      Darum muss halt ein Balkon und einVernuenftigerDachueberstand sein.

      Nun zu den Fakten.
      Ich hab ne Gasheizung MarkeVissmann,gute Brennwerte,abwr noch nicht mal ne Brennwwrttechnik.
      Ich brauche fuer die 100qm ca820cbm bis 900cbmGas. 2,5(zweieinhalb)Ster Buchenholz,dies alles zusammen fuer 1Jahr.

      Gottseidank hab ich kein luftdichtes Haus das auch noch staatlich gefoerdert und uns verordnet wird.
      Mein Haus atmet,weil es lebt und Energie verbraucht.
      Es ist ein gesundes Wohnklima,weil der Temperaturunterschied von Wand zur Atemluft meist im Bereich von 3Grad liegt.Fast keine Luftbewegung hat und durch die Strahlungswaerme,wenn mans versteht geduldig und vernuenftig zu heizen,naehmlich langsam und die Speicherflaechen aufwaermend,ein gutes Konzept fuer einen atmendenMenschen darstellt.

      Einfache Frage:-)wenn ich nicht mehr atme oder ganz wenig Luft brauche,bin ich dann“effizient“,gesund,oder fast tot?

      Ich habe einigeHaeuser gebaut mit diesem Konzept,die Kunden sind zufrieden,weil das K lima UND die Rechnung fuer Energie passt.

      Bauen ist charaktersache,nun krank und luftdicht zu bauen,zu warten bis es passiert ist, und dann festzustellen dass doch jemand daran ist,wieder eine neue“dringendeNovellierung“zu erfinden,die die Dinge eher vwrschlechtert,muss ich nicht mitmachen.

      Mein Wissen resultiert am Erfahrungswert des beobachtens und althergebrachter,gewachsener und umgesetzter Planung unserer“alten Meister“,die,wie ueberall,Bankensektor,Aertzte,Moral,usw verworfen wird.

      Ich kann nur jeden dazu ermuntern mit ner 49er Ziegelwand zu bauen,Suedseite und Ostseite undWestseite,zumindest imEG.

      Das einmal ausgegebene Geld ist bald vergessen,meist wird alles teurer,und der mtl Verbrauch geht zurueck und man wird unabhaengig.

      Oder halt Luftdicht bauen,staatlich bezuschusst,alibiorientiert aufCo-Debatte schielend.
      Zwischen Aachen undKoeln stehen 5 Heizkraftwerke,von denen eines!soviel Ausstoss hat wie der gesamte Hausbrand,Pkw und Luftfahrtverkehr in Germany.Da gehoert angesetzt,oder solls denn nun doch ne Verordnung geben,dass wegenCo nur noch einmal pro Kopf gegrillt werden darf?.

      Das Haus soll fuer50€ mtl geheizt werden,derChaienne darf dann aber fuer 350€Sprit verbrauchen!

      Ich habe somit ca 40€ mtl Gasverbrauchskosten,ca200€:12,ergibt ca 17€mtlHolzkosten,als fauler Heizer 33cm lange fertige Scheitl vomHolzbauern der sich ueber ca 80€ proSter die ich gern zahle,freut:-)

      Ich freue mich ueber Anregungen oder Fragen,auch ueber Kritik,wenns mit Erfahrungswert einhergeht:-)

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      1. comment by losmuchachos
        admin

        Servus Thomas,

        es ist immer sehr interessant etwas von einem Menschen zu lesen, der sich Gedanken macht. Du schreibst ja sehr vieles und in Vielem stimme ich dir auch recht zu. Sehr interessant finde ich deine Gedanken zu den Balkonen, Gesimsen etc. weil diese Gedanken für mich neu aber klar nachvollziehbar sind.

        Was sich spannend gelesen hat ist die Sache mit dem CO2 Ausstoß. Ich halte zwar wenig von Vergleichen wie wozu hier sparen, wenn doch da viel mehr verbraucht wird, aber deine Aussage dass ein Heizkraftwerk mehr CO2 produzieren soll, als Hausband und Verkehr ließ mich doch aufhorchen. Nach dem was ich im Internet finde ist das aber völlig falsch. Deutschland besticht zwar leider durch besonders ineffiziente Kraftwerke, aber selbst das Kraftwerk das am meisten CO2 produziert (Niederaussem) schleudert pro Jahr 27,5 Mio t CO2 raus. 2005 verursacht der Verkehr in Deutschland 180 Mio t CO2.

        Ich verstehe auch nicht ganz, was du gegen winddichtes Bauen hast. Als Gesamtkonzept mit richtig dimensionierter Heizung und Lüftung funktioniert das und ergibt Häuser die wahre Energiewunder darstellen. Zu sagen, nicht winddicht zu bauen wäre Charaktersache kann ich als Argument nicht nachvollziehen. Natürlich gibt es Probleme, wenn ich in einem Altbau plötzlich dichte Fenster einbaue usw. das besagt aber auch die Theorie. Ich kenne die deutschen Vorschriften nicht, weiss aber dass auch in Österreich am Energieausweis laufend gefeilt und die Berechnung verändert wird. Sicher ist es nicht ganz leicht einen Kompromiss zwischen wahren Energiekosten und noch machbarer Berechenbarkeit zu finden, aber es ist ein Ansatz.

        Dass ein moderner 50cm Ziegel das Optimum an derzeit üblicher Bauweise darstellt sehe ich genauso, allerdings würde ich ihn trotzdem winddicht verbauen.

        Danke aber für deine interessanten Gedanken. lg aus Österreich

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    4. Lars

      Sehr geehrter Autor,

      wer bei Verbrennung von Holz von CO2-Neutralität spricht, der vergisst die Zeit. 60-100 Jahre lang im Baum gebunden wird es in einem Winter im Kamin freigesetzt (keine wissenschaftliche Aussage).

      CO2-neutral heizt man mit Holz nur dann, wenn man sicherstellt, dass die verheizte Menge im gleichen Zeitraum wieder nachwächst.

      Dieses als kleiner Gedankenanstoß um den Menschen etwas mit der Natur zusammenzuführen.

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      1. comment by losmuchachos
        admin

        Sehr geehrter Lars,

        also ich hab nicht das Gefühl Holz als besonders tolle Umweltsache darzustellen. Im Gegenteil ich weise darauf hin, dass ein Kaminofen eigentlich eine Dreckschleuder ist. Dass Holz heizen als CO2 neutral angesehen wird ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern ist allgemein so üblich. In Österreich wächst aber auch deutlich mehr nach als verheizt wird, wodurch auch diese Bedingung durchaus als erfüllt angesehen werden kann.

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    5. Michael

      Der Beitrag hat mir die Augen geöffnet.
      Ich spiele schon seit längerem mit dem Gedanken mir einen Kaminofen einbauen zu lassen. Eben wegen dem Ambiente.
      Die Tatsache das es nicht nur schlecht für die Gesundheit und Umwelt ist, hat meine Entscheidung umgestimmt.
      Ich werde wohl doch bei der zentralen Gasheizung bleiben.

      Vielen Dank

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    Was meinst du ???

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