Mein Brunnen im Selbstbau – Teil 2

Die Vorarbeit ist mal erledigt und im Teil 1 dieses Berichts dokumentiert…

Nachdem ich ja im Prinzip das Wasser erreicht habe, ist es Zeit mit der Kiespumpe zu beginnen. Ich bestell also gleich mal eine Kiespumpe und Brunnenrohr bei erdbohrer.de, die man echt nur empfehlen kann. Dann ist Vorbereitung angesagt. Den Keller etwas aufgeräumt, den Bohrer ins Eck gestellt, eine Klemme bauen, die ich ans Brunnenrohr klemme um Gewicht drauf zu bringen, die Seilwinde neu befestigt usw. Ins Ende des Brunnenrohrs säge ich „Haifischzähne“. (Hab ich irgendwo im Netz gelesen, dass man das tun soll.) Dann versenke ich das Rohr im Loch. Es ist ein 100mm Rohr, unten 2 Meter Filterrohr (0,5mm Schlitze) und oben noch mal 5 Meter „Vollrohr“.

haifisch.jpg

Hier noch ein Bildchen der Klemme, mit deren Hilfe ich Gewicht auf das Rohr bringe. Es sind einfach 2 10×10 cm Balken,in die ich so was wie Halbkreise reingebohrt/sägt habe. Das ganze dann mit Schraubzwingen und Gurten zusammengeklemmt. Hält unglaublich gut.

klemme.jpg

Und dann gehts los. Mein erster Plunschversuch. Vorerst brauche ich noch Leitungswasser, weil noch kein Grundwasser im Brunnen steht, also ein paar Liter eingefüllt und ein paar mal kräftig am Seil gezogen. Dann das ganze Gerät mit der Seilwinde rausgezogen und sieheda es befindet sich eine unfassbare Menge Steine und Sand in der Kiespumpe. Bei meinen Bohrversuchen hab ich am Schluß geschätzte 10 Bohrungen gebraucht um diese Menge an Material aus dem Bohrloch zu kriegen. Ich bin fassungslos. Hätte ich das gewußt hätte ich die letzten 3 Meter schon mit der Kiespumpe gearbeitet. Das Ding ist einfach super. Anstrengend ist das ganze natürlich schon etwas, aber eigentlich auch nicht mehr als Bohren. Eine Seilwinde um das Teil aus dem Loch zu ziehen ist allerdings ein Muss! Das Ding hat 16 Kilo, dann noch mit Steinen und Wasser gefüllt ist es einfach viel zu schwer um regelmäßig von Hand die ganze Strecke rausgezogen zu werden.

Nach zirka einer Stunde plunschen ist das Rohr um atemberaubende 50 Zentimeter tiefer in der Erde als am Anfang. Mir ist schon klar, dass es nicht leichter wird, weil ja das Brunnenrohr bis jetzt keine Reibung hat, weil es frei im größeren Loch steht. Das wird sich ändern, aber ich bin trotzdem überglücklich über den Arbeitsfortschritt. In den beiden folgenden Stunden verlangsamt sich mein Tempo etwas, weil ich jetzt in einer Schicht bin, wo nur noch feinster Sand und Schlamm hochkommt. Es sind kaum noch Steine dabei und die sind nicht größer als einen Zentimeter oder so. Nachdem ich mit einer Kiespumpe arbeite, die ja nicht wirklich für Schlamm konzipiert wurde, geht es also etwas holpriger, aber ich bin immer noch sehr zufrieden.

Während am Anfang nur ich als Balast auf der Klemme gestanden bin hab ich jetzt schon etwas Geicht extra aufgelegt. Reicht aber vorerst noch völlig. Hier meine derzeitige Plunschvorrichtung…

plunschen.jpg

Insgesamt verbringe ich dann ca. 3 Stunden mit Plunschen und habe jetzt 70 Zentimeter Wasserstand im Rohr. Das ganze ist also schon irgendwie so was wie ein Brunnen. Ziel sind 2 Meter Wasserstand, mal sehen. Auf Grund der überraschenden Fortschritte bestelle ich auch gleich eine Tauchpumpe. Ich entscheide mich für eine Membro. Das Ding pumpt angeblich auch sehr viel Sand und vielleicht kann ich mir dann auch gleich noch ein wenig plunschen sparen, solange ich im Schlamm bin.

Die Membro ist da und intensiv ausprobiert. Also plunschen erspart sie nicht. Ein wenig „Treibsand“ geht schon mit, aber mehr nicht. Nebenbei stellt sich wieder mal Stillstand in Sachen Arbeitsfortschritt ein. Ich plunsche sicher 1 Stunde (und mit diversem Membro verrohren und ausprobieren sind das dann gleich 5 Stunden oder so) und bewege mich keinen Zentimeter vorwärts. Nachdem ich aber immer noch Material nach oben bringe mache ich einfach weiter. Beschwert ist das Brunnenrohr jetzt mit ca 310 Kilo. Dann stelle ich mich noch selber drauf und ziehe kräftig an der Kiespumpe, die mit Füllung dranhängt, also nochmal grob 110 Kilo gibt eine stattliche Belastung von 420 Kilo, die aufs Rohr drücken. Aber die Fachleute sind ja der Meinung, dass Gewicht beim Plunschen alles ist….

So plus ich sehen also 420 Kilo aus.

420.jpg

Dann der „Durchbruch“. Nachdem ich die Kiespumpe öfter mal aus größerer Höhe ins Loch fallen lasse, hole ich jetzt 2 ganz beachtliche Steinklumpen rauf, die mal ein einziger Stein gewesen sein dürften. In der folgenden Stunde plunschen gehts dann ca 40 cm bergab. Ich bin jetzt endlich aus der Sand/Schlickschicht raus und wieder in vernünftigem Kies. Hier arbeitet auch die Kiespumpe wesentlich effizienter. Nebenbei hole ich noch einige Teile meines Brunnerohrs rauf. Unten dürfte es schon ziemlich kaputt sein, aber was solls. Auf alle Fälle wage ich zu bezweifeln, dass die „Haifischzähne“, die ich ins Rohrende gesägt hab auch nur irgendwie sinnvoll waren. Ich glaube eher sie waren einer der Gründe warum ich jetzt das Rohrende wieder in Einzelteilen raufhole. Bei meinem nächsten Brunnen lasse ich das Rohr wie es ist…. (ja das war ein witz !!!!)

fuellung.jpg

Zwischenzeitig mache ich eine 3/4 Zoll Leitung bis zum Kanal und lasse mal die Membro ihre Kräfte ausspielen. Ich schaffe ca. 1200 Liter/Stunde. Das reicht um 3 Wasserhähne parallel aufzudrehen. Der Wasserspiegel im Brunnenrohr sinkt dabei überhaupt nicht ab. Diese Menge rinnt also problemlos nach.

Bei meinen weiteren Plunschversuchen geht es recht flott voran, trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich mehr und mehr Rohr nach oben hole. Ich reduziere das Gewicht am Rohr deutlich, weil ich mir langsam sorgen mache, dass es da unten mal rumbs macht und das ganze rohr völlig hin ist.

Ich muss nun auch schon ein Loch in den Boden graben um noch tiefer zu kommen. Nachdem ich ohnehin vor habe die Technik in einem kleinen unterirdischen Schacht zu verstecken, macht das ja Sinn.

Nachdem ich 1,20 Meter Wasserstand erreicht habe beschliesse ich den Brunnen als Erfolg zu beenden. Eigentlich hab ich mal 2 Meter gepant gehabt, aber Wasser hab ich ohne Ende und ich mach mir einfach zu viel Sorgen, dass ich im letzten Moment ganz scheitern könnte.

Insgesamt habe ich ziemlich genau 40 Arbeitsstunden in den Brunnen investiert. War eigentlich deutlich zeitraubender als angenommen, hat aber Spaß geamacht. Ich hab auch keine Firma gefunden die mir im Keller einen Brunnen gemacht hätte. Eine Bohrfirma wollte 3000 Euro für einen Brunnen auf dem Parkplatz. Was gefehlt hätte wäre wahrscheinlich ähnlich viel Arbei geworden, wie mein ganzer Brunnen. (Strom vom Haus zum Brunnen, Wasser vom Brunnen in den Garten & zum Haus, Schacht für die Technik machen, der möglichst frostfest ist usw. usw.) Bin also mit meinem Brunnen im Keller sehr zufrieden. Jetzt kommt noch die ganze technische Arbeit. Aber das kommt im Beitrag Brunnentechnik.


  1. Yuri

    Und welche Pumpe ist eingebaut ? Wie viel Wasser ?

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  2. comment by losmuchachos
    el muchacho

    @yuri.
    ich habe noch immer die kleine membro am laufen und werde das auch so lassen, bis sie kaputt wird. leistung gemessene 1200 liter/h, das reicht für meine zwecke völlig. leistung des brunnens wäre noch viel höher. ich kann mit der membro den wasserspiegel kein bisschen absenken, da hats also reserven.

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  3. wolfgang

    verleihst du die Kiespumpe ? Durchmesser ?

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  4. wolfgang

    verleihst du die Kiespumpe ? Durchmesser ?

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  5. zeka10

    Hallo an alle

    Habe auch einen Brunnen gebohrt
    Tiefe 3,9m von der Sohle im Keller
    Wasserstand 2,7m
    bei 6m3 Entnahme 10cm wasserstand weniger

    habe das Netz vor dem Beginn durchsucht und viele gute Tips gefunden.
    An dieser Stellen danke an alle die die Beiträge geliefert haben.

    Habe mir den Pluscher selbst gebaut
    d=115cm da die Steine bei mir faustgroß waren und kaum unten reingegangen sind.
    Es war aber auch 50% Sand dabei.

    Man braucht so ca 1 Stunde für 25-30cm fortschritt.

    also bevor man anfängt überlegen wie lang man brauchen wird. Aber es hat sich gelohnt!!

    cu Thomas

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  6. comment by losmuchachos
    el muchacho

    @wolfgang: naja die könnte ich schon hergeben, verkaufen will ich sie aber nicht und verleihen, da bin ich nicht sicher ob sich das schicken lohnt ! das teil hat sicher 15 kg oder so und ist deutlich über einen meter lang. bei selbstabholung in oberösterreich aber kein problem !

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  7. OPA-Olly

    Klasse Beitrag, nun weiß ich worauf ich schonmal achten sollte und wo man nachschauen kann.
    PS. gut geschrieben

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  8. Holger

    Dein Beitrag hat mir sehr geholfen, mich auf meinen Brunnenbau vorzubereiten. Danke.
    Eins ist mir allerdings nicht ganz klar: was ist der Unterschied zwischen einem Plunscher und einer Kiespumpe?

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    1. comment by losmuchachos
      el muchacho

      Servus Holger,
      Danke !

      Der Plunscher oder die Kiesbüchse ist nur ein Eisenrohr mit Ventil unten. Material wird irgendwie durch Hochziehen und Unterdruck oder so reingezogen, weiß ich aber eigentlich auch nicht so ganz wie das funktioniert.
      Eine Kiespumpe ist dagegen eine richtige Pumpe mit Kolben. Man läßt die Pumpe ganz runter und zieht den Koblen hoch, wodurch Material eingezogen wird. Man liest , dass die Kiespumpe deutlich effizienter und auch leichter Handzuhaben ist, weshalb ich die Mehrkosten nicht gescheut hab und mir eine Pumpe gekauft hab. Schliesslich gehts auch um einige Stunden harte Arbeit die man sich sparen kann. Wenn du unter Ebay Kiespumpe eingibst findest du beide Varianten und kannst dir Bilder dazu ansehen.

      Alles Gute für dein Projekt !

      lg

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  9. alex

    gggggg. kannst du uns mal eingebot für unser brunnenprojekt machen ggg

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    1. comment by losmuchachos
      admin

      danke nein 😉

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  10. wasserbüffel

    Hallo, wir sind auch gerade am Plunschen! Haben uns für ein Viereinhalbzollbrunnenrohr entschieden (2m Filter 0,3mm und 8m glatt) da der Erdbohrer einen 140er Durchmesser hatte. Habe den Bohrer um zwei Meter verlängert so dass ich 3m tief bohren konnte.Hatte 1m Schnecke und 2m Verlängerung aus Glattrohr.War ein wenig umständlich aber ging.Schnecke voll Kies oder Sand Masch aus und hoch zum Entleeren.Nach 3 Metern,Siehe da Wasser! Plunsche rein und los.War überrascht wie gut es anfangs ging.Ein Mix aus Sand und Kieselsteinen erschwert nun unsere Arbeit . Aber alles noch im grünen BereichWir haben in ca 3 Std.3m Rohr versenkt. Ein Gewicht am Rohr war schon hilfreich.

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    1. comment by losmuchachos
      admin

      naja da kann man ja schon gratulieren ! weiter so !

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  11. Carlo

    Habe auch das Brunnen bohren im Keller angefangen.Bei uns sollte Wasser bei 10 metern sein.Habe schon 3 anläufe gebraucht um überhaupt ne stelle zu finden wo ich runter komme.Stand 2 mal in 3 meter Tiefe auf alten Festungsmauern puhhh.Dann kam die Kellerentscheidung.Erst mit 150iger Bohrer und KG Rohr bis in 6 meter tiefe.Dann weiter mit Brunnenrohr und Kiesbüchse.Umlekrolle an die decke montiert und roh mit alter Tischplatte und eimern mit Kies beschwert.Gung alles ganz gut bis bei 8 metern ein dicker Stein den weg versperrte.2 maal ne schwere Eisenstange runter geschmissen,und dann stein mit Kiespumpe hochgeholt juchu.Dann gins weiter mit plunschen.Jetzt bin ich bei ca 10 Meter bei fast 2 Meter wasserstand im Brunnenrohr.Plunschen geht nicht mehr,ich hol nix mehr hoch.Alles geht nur noch millimeterweise nach unten.Es liegt kein stein im Weg,alles sehr komisch.Oder ich lasse es bei 2 Meter wasserstand,aber der Brunnenprofie meinte das reicht nicht..Ich berichte weiter.
    Ich glaub ich hör jetzt auf miggi398@gmx.net

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    1. comment by losmuchachos
      admin

      Mach mal einen Wassertest . Häng eine ordentliche Pumpe rein, lass sie mit möglicht wenig Widerstand viel Wasser rauspumpen und miss ob der Wasserstand absinkt. Im Prinzip reichen auch 2 Meter leicht für Nutzwasser, wenn du den richtigen Boden hast. Wieviel Filterrohr hast du ? Wird sich vermutlich nciht ausgehen, dass du die Pumpe über das Filterrohr hängst, das ist etwas schade, aber zu verschmerzen.

      Gratuliere

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  12. Uwe zimmermann

    Hy ich habe Deinen Bericht mit Spannung gelesen. Ich bin auch am Bohren und bin bei 2,3 m.
    Hab schon Wasser, jedoch hab ich ein 12cm Stein im Loch liegen. Hab schon verzweifelt versucht ihn zu heben. Leider hatte ich bisher keinen Erfolg.
    Ist es möglich deine Steinheber zu leihen ? Oder hast Du eine Skizze von dem Ding.
    Wäre echt dankbar …
    MfG Uwe Zimmermann

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