mein brunnen im selbstbau – teil 1

seit wir unser häuschen bezogen haben schwirrt mir die idee im kopf herum im keller einen eigenen hausbrunnen zu machen. jede menge umbauarbeiten, projekte etc. wurden verwirklicht nur der brunnen fehlt nach wie vor…. und es ist zeit dies zu ändern.

voraussetzungen

ort des geschehens ist ein erdkeller. raumhöhe ca 2,30 meter. der keller ist ca. 1 meter erhöht (also aus dem boden heraus) gebaut, wie das seinerzeit so üblich war. das heisst von meinem kellerboden hab ich schon mal ca 1,5 meter tiefe „überwunden“. (jipiee) grundwasser gibt es vermutlich in ca. 7 metern tiefe, abzüglich der 1,5 meter kellertiefe bleiben „nur“ grob 5,5 meter die es zu überwinden gilt. boden ist erst mal lehmig, dann kommt schotter, der sieht genauso aus wie den, den man zum betonmischen nimmt. dann, so erzählen weise menschen im ort, kommt eine schicht, die extrem hart ist. es handelt sich allerdings nicht um stein, sondern um irgendeine art sehr verdichteten lehm oder so zeugs. darunter sollte dann das kühle nass zu finden sein. genaue schichtdicken: unbekannt.

der erste versuch einen brunnen zu schlagen (=rammen) scheiterte kläglich nach ca. 4 metern. ein guter meter eisenrohr steht als mahnendes denkmal noch aus dem boden. das teil könnte man vermutlich wieder „rausschlagen“. mein motivationspegel sackt aber so stark ab, wenn ich nur daran denke, dass ich besser einfach gerümpel drumrum platziert habe, so dass man das rohr nimmer sieht. ausserdem möchte ich das ding mal an die erdung der hauselektrik hängen, weil mein haus ohnehin nicht so toll geerdet ist, somit wäre diese thema mal „aus den augen, aus dem sinn“. weiter gehts im gegenüberliegenden eck des raumes.

der plan

ch habe auch so was wie einen plan und zuletzt wird dann wahrscheinlich doch alles anders. das wesentlichste an meinem plan ist aber fix:
ich bohre den brunnen, von schlagen (rammen) hab ich die nase voll, der entschluss steht fest ! ICH BOHRE ! ausserdem ist ein gebohrter brunnen „leistungsmäßig“ einem rammbrunnen deutlich überlegen…

also im internet schlau gemacht wie so was läuft. theoretisch ist alles ganz einfach: man bohrt runter bis zum wasser. dann steckt man brunnenrohre rein, beschwert sie oben und läßt in das brunnenrohr eine kiespumpe (plunscher) rein. das ist ein zylinder, unten offen mit „gummiventil“. darin steckt ein kolben, an dem das ganze teil hängt. man läßt die kiespumpe ins bohrrohr, bis sie unten aufliegt und zieht einige mal ganz wild am seil. der kolben zieht dabei wasser und hoffentlich auch eine menge bohrgut mit in den kolben, die gummilippe unten verhindert dass das zeug wieder rauskommt. drall gefüllt zieht man die kiespumpe wieder raus und entleert sie. das ganze wenige tausend mal gemacht schiebt sich das bohrrohr durch das gewicht das oben dranhängt tiefer und tiefer. so sollte man versuchen unten eine möglichst grosse zahl an filterrohren (rohre mit ganz feinen schlitzen drin) ins wasser zu „plunschen“.

soweit ganz leicht, also kauf ich mir am besten mal einen bohrer.

der bohrer

ich hab so ein teil über ebay gekauft. sieht super aus. bohrdurchmesser ist 15cm. er hat eine „glocke“ dabei, die sich beim hochziehen über die bohrwendel schieben soll. so soll verhindert werden, dass das bohrgut seitlich wieder runterrutscht. der verkäufer und produzent hat mir auch noch eine sonderanfertigung gemacht. nachdem ich im keller bohre muss ich ja den bohrer bei jedem mal hochziehen zerlegen. also jede verlängerung auseinandernehmen. ein bohrer, wo die verlängerungen mit muffen zusammengeschraubt werden ist also für mich nicht sehr sinnvoll. ich bestelle also eine „steckverbindung“. der verkäufer warnt mich zwar, dass diese nicht so steif wird, wie eine muffenverbindung, aber was solls. kosten für den bohrer 170 euro incl. versand.

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8.8.2006 – es geht los

ich schaffe mir mal etwas platz und entferne ein paar ziegelsteine mit denen ich den erdkeller ausgelegt habe und setze den bohrer an. uff, naja. das teil ist nicht nur schwer, sondern es geht auch nicht gerade so wie man sich das vorstellt. man dreht also nicht 5 mal und hat dann die wendel 30 cm ins erdreich gedreht, sondern man dreht eher 15 mal und hat dann etwas erde abgekratzt, die lose auf der untersten windung der wendel rumliegt. aber ich bin ja nicht auf sommerfrische, das war klar.

nach ausgiebiger pause 😉 stell ich mich noch mal 2 stunden in mein meinen neuen lieblingsraum. und es wird besser! ich komme eigentlich sogar überraschend zügig voran. nach einer stunde arbeit habe ich schon gut 1,5 meter gebohrt. ich versuche meine euphorie in grenzen zu halten. was dann auch recht gut gelingt, weil schon nach ca 1,5 metern beginnt die schotterschicht, und natürlich treten alle befürchtungen wie vermutet ein. der schotter rieselt und rieselt und so wird mein bohrloch breiter und breiter. ich stehe bei 1,95 metern, bohre wie irre bis 2,10, rausziehen, bohrer reinigen, wieder reinlassen und wir sind wieder bei 1,95. das ganze mache ich dann 5-10 mal und beende mein tagwerk.

steine.jpg

was man auf jeden fall braucht ist eine lampe um immer im bilde zu sein, was sich unten so tut. glühlampe kann man vergessen, ist ständig der faden kaputt. eine energiesparlampe ist da weitaus besser.

lampe.jpg

hier ein blick auf meine baustelle. die unordnung gehört zum gesamtkonzept …

baustelle.jpg

statistik: arbeitszeit heute ca. 3 std. (zur arbeitszeit wird alles gerechnet was im keller stattfindet. wegräumen, denken, rasten im keller, bohren, zusatzwerkzeuge basteln u.s.w. nicht aber einkaufen und dokutagebuch schreiben). bohrtiefe heute 2 meter. überraschend gutes ergebnis, aber das schotterproblem gehört gelöst.

9.8.2006

so gleich in der früh zu meinem lieblingsinstallateur, der mir schon in vielen schweren stunden beigestanden hat. er ist ganz beeindruckt von meinem irrsinn, was mich wiederum motiviert. ich bestelle also 2 mal 2 meter kanalrohr. das ganze soll mein „bohrrohr“ sein, also ein rohr in dem ich bohre und das ich tiefer schiebe. das verhindert dann dass mir der kies dauernd reinfällt. ich möchte auch am anfang durchmesser schinden was geht. deshalb bestelle ich ein 20cm rohr. der grosse durchmesser bringt sicherheit, weil man immer noch ein schlankeres rohr innen nachschieben kann. ich hab also noch die chance ein 150er rohr nachzuschieben (sollte sich mit dem bohrer ganz knapp ausgehen) naja und dann das brunnenrohr für das ich 100mm durchmesser plane. und als allerletzten ausweg schlage ich noch eine rammspitze nach….

in meinem optimismus bestelle ich auch gleich 2 rohre. ich hoffe also dass ich das rohr so leicht schieben kann, dass ich tatsächlich das zweite oben draufsetze und weiterschiebe, oder ich schneide vom 2. rohr die muffe ab und schlitze es der länge nach auf. durch überlappen der enden sollte sich der durchmesser vom rohr so veringern lassen,dass ich das rohr in das erste stecken und innen nach unten schieben kann. nachdem diese rohre aber verdammt hart und steif sind, könnte das auch nix werden. aber egal…

den rest des tages erweitere ich das loch auf 20 cm durchmesser. den lehm kratze ich einfach entsprechend aus, im schotter unten hatte das loch sowieso einen grösseren durchmesser. durch den vielen dreck der bei dieser arbeit ins bohrloch gefallen ist bin ich jetzt eher wieder auf 1,70 meter

statistik: arbeitszeit 1 std. tiefe minus 30 cm

10.8.2006

in der früh die beiden rohre abgeholt. grössenordnungsmäßig werden die beiden teile je 30 euro kosten. naja dafür hab ich dann echt tolle rohre im keller im boden stecken. gestern hab ich natürlich viel zu ungenau das bohrloch vergößert, also wird weiter fest geschabt bis das loch einen so grossen durchmesser hat, dass ich das rohr sogar mit der muffe voran ins loch bringe. die tiefe hat sich jetzt leider durch den runterfallenden dreck auf knappe 1,50 reduziert und so bohre ich wieder wie ein irrer um das loch in dieser breite wieder auf 2 meter zu bekommen. ich kann das rohr erst einsetzen, wenn es ganz im boden verschwindet, weil ich eh schon grosse probleme mit der raumhöhe hab.

bohrloch.jpg und schwuppp…. bohrloch_mit_kg_rohr.jpg

im schotter ist das bohren extrem mühsam. runterlassen mit zusammenstecken, einige male im kreis wieder rausziehen mit zerlegen und dann bröseln einige steine vom bohrer und das wars. durchschnittlich schafft man pro bohrung so 2 cm. das zieht sich. das „stecksystem“ mit dem der bohrer sonderangefertigt wurde funktioniert so, dass man zwei vierkantrohre zusammensteckt, eine schraube durchschiebt und mit einer mutter fixiert. das ganze bei jeder bohrung auf und zu machen und ich bohre im jahr 2050 noch, also muss ich mir was anderes überlegen. ich mache einige testversuche mit einem seil und so entsteht (heute nur als plan) mein nächstes tool.

die winde

ich hab so eine praktische elektrische winde. ich plane ein „gerüst“ mit einem grossen querbalken. die stützen müssen weit genug auseinander stehen um darunter noch „bequem“ bohren zu können. die winde schraube ich an den balken, das seil der winde befestige ich ganz unten am bohrer. wenn ich ausgebohrt habe ziehe ich den bohrer mit hilfe der winde hoch und nehme dabei eine nach der anderen verlängerung ab. nachdem ich nicht am bohrgestänge ziehen muss, brauche ich auch die verlängerungen nicht zu verschrauben, sondern ich stecke sie nur lose zusammen. klingt gut finde ich, mal sehen wie es wird.

statistik: arbeitszeit 3 std. tiefe 80 cm

gesamt: 7 std. tiefe 2,50 m

12.8.2006

hauptproblem ist es derzeit, dass ich zu wenig bohrgut pro bohrung an die oberfläche befördere. das ergebnis einer guten bohrung sind zwei handvoll oder so. mehr isses nicht. wozu hab ich da einen bohrer mit einer 35cm langen spindel. die oberen 3 windungen kann ich mal als neuwertig verkaufen. ich versuche also effizienter zu bohren. ich rüttle, bohre lang, hänge mich auf den bohrer um ihn zu beschweren, bohre kurz aber ruckartig, bohre erst rückwärts dann vorwärts und und und. ergebnisse alle samt eher ernüchternd. es wird nicht mehr. aber ich habe eine super problemlösung parat: ich akzeptiere es. ich hab alle zeit der welt, vor nächstem frühjahr brauch ich sowieso kein wasser, also bohre ich halt etwas öfter. das wichtigste ist, dass kein stillstand eintritt, wegen echter probleme wie steinen etc. wenn es langsam geht geht es langsam und aus.

so nachdem mein tagessoll (3m) bereits erreicht ist (jipiejaja) brauche ich etwas kreativere arbeit und baue mein gerüst mit winde. die winde schraube ich doch nicht an den querbalken, weil das ding ganz schön sperrig ist, also kommt an den balken nur eine umlenkrolle und die winde einfach auf den boden. ja auch so geht schön zeit rum und schon ist es mittag, aber das gerüst steht und eine erste probebohrung ist vielversprechend. es funktioniert soweit.

winde_detail.jpg

winde.jpg

nachdem das wetter heute so sch…. war hab ich mich am nachmittag doch noch mal aufraffen können in den keller zu gehen. ja ihr freiluftbohrer, ich bohre auch bei schlechtwetter 😉 ich setze den bohrer genau das 2. mal an, als es knack macht und nichts geht mehr. einige bohrversuche und einige stocheraktionen später war der grund freigelegt, identifiziert und fotografiert. ein stein. größer als seine bisherigen kollegen. deutlich zu sehen aber immer noch „six feet under“. mit dem bohrer ist da nix mehr zu machen. der verspiesst sich nur und läßt sich gar nicht mehr drehen. also schnell einen steinlift gebaut. das ding ist mehr als unprofessionell, (einfach ein eisenwinkel an einer langen stange.) funktioniert aber erstaunlich gut. ich hebe den stein dann nach einer stunde oder so doch recht mühelos. mein steinlift ist nicht schlecht, aber auch nicht zerlegbar. sobald das loch noch 30 cm tiefer ist ist es damit aus, weil das ding dann zu kurz ist um damit zum grund des bohrlochs zu kommen… ich muss mir da was bauen, das einfach zerlegbar ist.

vormittag: arbeitszeit 2,5 std. tiefe 50 cm

nachmittag: arbeitszeit 3 std. tiefe 25 cm

gesamt: 12,5 std. tiefe 3,25 m

stein_gross.jpg

 

16.8.2006

zu allererst zimmere ich mir heute einen steinheber zusammen. primitiv, aber effizient. aus einem alten kinderwagen baue ich das klappsystem aus. so kann ich den steinheber in der mitte umklappen. so ist das gerät erst mal bis ca 4 meter bohrtiefe einsetzbar, danach überlege ich mir was anderes.
mit dem neuen Steinheber gehts dann los. maximal 1 bis 2 bohrungen, teilweise kommt nicht mal eine hand voll material an die oberfläche, dann mit dem steinheber und dem wühlhaken die obersten steine entfernt, dann wieder bohren. extrem zeitaufwändig das ganze. wenn ich alle geräte im bohrloch in einsatz habe ist kaum noch platz. ich stelle also fest, dass ein 15cm rohr als bohrrohr nicht in frage kommt. ich werde also versuchen das 20er doch bis zum wasser weiterzuschieben.

steinheber_unten.jpg

steinheber_klappsystem.jpg

geraete_in_aktion.jpg

in summe transportiere ich so eine ganz schöne menge steine an die oberfläche. wie soll man da jemals plunschen? derzeit stosse ich mindestens alle 10cm auf steine, die ich nie in den plunscher rein kriegen würde. naja nicht denken sondern bohren….

steine_01.jpg

playmobil.jpg

heute: arbeitszeit 3,75 std. tiefe 25 cm

gesamt: 16,25 std. tiefe 3,50 m

18.8.2006

heute lege ich einen kurzen „bohrtag“ ein. eine 3/4 std stelle ich mich ans gerät und bohre. es geht verblüffend gut. zwischen den steinen findet sich jetzt auch wieder etwas sand, was das bohren deutlich erleichtert. mit dem sand schafft auch der bohrer jetzt wieder deutlich größere steine und ich brauche meinen steinheber kaum noch. am ende der 3/4 stunde messe ich und:

heute: arbeitszeit 0,75 std. tiefe 15 cm

gesamt: 17 std. tiefe 3,65 m

man freut sich ja auch über kleinigkeiten. ich habe meinen schnitt von 8,33 cm/h wieder auf 20cm/h heben können. würde auf den fehlenden 2 metern ja immerhin 14 arbeitsstunden unterschied ausmachen… wichtiger aber die einsicht, dass ich viel zu viel zeit mit dem steineheber verschwendet hab. viel besser ist man bohrt einfach, irgendwann bleibt dann fast jeder stein mal am bohrer liegen. der steineheber ist gut, aber nur für echt grosse brocken nötig.

20.8.2006

boooohren

heute: 1,5 std. tiefe 35 cm

gesamt: 18,5 std. tiefe 4 m

22.8.2006

heute möchte ich mal richtig meter machen. ich bin noch ca. 1,5 meter vom wasser (hoffe ich). zuerst mache ich noch den hühnerstall fertig (faaad, beschreib ich vielleicht mal in einem anderen beitrag) und dann lege ich los. die ersten 25 cm gehen tadellos (in etwas über einer stunde). aber dann titt ein gewisser stillstand ein. die erfolgskontrolle mit dem massband bestätigt meine wildesten befürchtungen. 30 minuten arbeit, 2 cm erfolg. der bohrer dreht sich willig und ohne widerstand durch, als ob die spitze auf einem riesen stein liegen würde. ich kratz mit dem wühlhacken, hebe mit dem steinheber und bohre, aber es tut sich nichts.

der sauger

nachdem ich meinem feind ins aug sehen will, beschliesse ich meinen industriesauger auszupacken. das ding sieht aus wie R2D2 von star wars, hat 1400 watt und soll mir jetzt freie sicht auf meinen gegner in 4 Meter 20 verschaffen.

r2d2.jpeg meinr2d2.jpg

problem bei den ersten saugversuchen waren vor allem verstopfungen im bereich des flexiblen schlauchs. ausserdem kostet der schlauch zu viel Power, weil er nur 3,5 cm durchmesser hat. ich baue also eine konstruktion, bei der ich den sauger direkt ans rohr stecken kann. dann wird das gerät noch etwas getuned. ich entferne den schutz innen, der das sauggut seitlich ablenkt, das heisst zwar dass mein sauggut direkt auf den filter donnert, aber das muss ich riskieren, weil im „ablenkteil“ fangen sich dauernd steine.

noch ein schwimmerventil lahm gelegt um den sauger auch liegend betreiben zu können. und ….. das ding saugt tatsächlich. im bild unten sieht man das ergebnis von ca. 20 sekunden saugen. eigentlich geht sogar viel mehr weiter als bei meinen bescheidenen bohrungen. ich weiss jetzt, dass sich sogar in einem völlig glatten, geraden rohr steine so verklemmen können, dass man sie kaum noch rauskriegt;-) ich wühle und sauge aber der stein scheint sich vor meiner teufelsmaschine verkrochen zu haben. es taucht nichts auf. ich bohre und es geht wieder tadellos. °staun° vor allem aber tut sich jetzt doch eine frage auf: kann man einen brunnen in den schotter saugen ????

sauggut.jpg

heute: 4 std. tiefe 40 cm

gesamt: 21,75 std. tiefe 4,40 m

in der nacht träume ich von multisauger.jpg und dann noch von saug12a.jpg…..

16.9.2006

nach ausgiebigem urlaub und einer weiteren woche des trauerns um wolgangs genialen aber gescheiterten brunnenbauversuchs (www.kuebel.org) war es an der zeit taten zu setzen. besonders gefreut haben mich die mails anderer brunnenwahnsinniger, die sich schon gesorgt haben ob ich vielleicht aufgebe. also auf in den keller und mal ein stündchen gebohrt. ich bringe sogar ungewohnt viel material an die erdoberfläche (also ca zwei handvoll pro Bohrung, was für mich schon super ist.) nur das bohrrohr will und will nicht weiter runter. ich bin schon gut 10 cm tiefer als mein bohrrohr und deppere mit einem riesen baumstamm drauf, aber es steckt. da fällt mir ein tipp von burgl (einer der profis aus dem brunnenforum) ein, dass man sich nicht zu lange zeit lassen sollte, weil das fürs rohr nicht gut sei. ich hab das damals nur auf das brunnenrohr bezogen, wenn man bereits im wasser ist und plunscht, aber jetzt weiss ich es stimmt auch fürs bohrrohr im trockenen. ein rohr, dass lange nicht bewegt wird „klebt“ irgendwie an der erde an. klingt komisch ist aber so. nachdem ich noch sicher einen meter zum wasser habe und mein bohrrohr einfach noch brauche prügle ich auf das ding ein wie ein irrer und es beginnt sich letztendlich doch etwas zu bewegen. ich versuche jetzt nach jedem mal bohren das ding runter zu schlagen und nach und nach lockert sich das rohr wieder etwas. so schaffe ich es in 1 3/4 Std, dann doch ganze 25 cm. nach adam riese hab ich noch ca. 90 cm bis zum wasser. noch 3 nachmittage und ich will es glitzern sehen im Rohr 😉

stat-16-9.jpg

eine kleine statistik. abzulesen sind die gebohrten cm/arbeitsstunde. die blaue linie pro tag, die rosa linie insgesamt. man sieht ich bin jetzt unter 20cm/h….

20.9.2006

nachdem das ziel (wasser) ja näher und näher rückt beschliesse ich den letzten meter einfach durchzubeissen. keine bohrerbaupläne mehr, keine saugversuche, keine steinheberverlängerungen. ich werde einfach bohren. bei genau 5 metern bohrtiefe ändert sich der boden innerhalb eines zentimeters farblich völlig. das zeug hat jetzt plötzlich erdöl bis kompostartige farbe, naja vielleicht werd ich doch noch reich 😉 hab keine ahnung was dieser farbwechsel zu bedeuten hat, oder ob ihn mutter natur zu meiner verwirrung eingezogen hat, aber ich lasse mich nicht weiter davon beirren und bohre, bohre, bohre

als krönender abschluss des tages fällt mir meine bohrrohrramme in mein loch. das ist ein baumstamm mit dem ich das kg (orange) rohr immer wenn ich ein wenig vorgebohrt habe weiter nach unten schlage. ich rutsche bei einem schlag mal ab und bin verwundert wie schnell ein mensch denken kann, während er sich in völliger panik befindet. ich kann mich also noch erinnern, dass ich gedacht hab. „verd… sch.. ar… wie krieg ich das teil ja wieder raus, hab ich mir eh 100 mal gedacht mal eine schnur dran zu binden und war immer zu faul. ich ar… die lampe ist jetzt auch hin..“ und dann hat es erst knips gemacht und es war dunkel in meinem loch. naja 20 minuten rumspielen und auch das problem war auch irgendwie gelöst und die ramme befreit. nur energiesparlampe hab ich keine mehr und glühlampen kann man völlig vergessen, die sind nach 3 mal ins loch runterlassen hinüber.

stamm.jpg

auf dem bild sieht der stamm dank zoom zum greifen nahe aus, ist aber leider in 3 metern tiefe.

heute: 5 std. tiefe 50 cm

gesamt: 28,5 std. tiefe 5,15 m

26.9.2006

heute soll eigentlich der grosse tag kommen, wo ich wasser in meinem rohr sehe. ich bohre wie ein irrer. das wasser müßte in genau 7 meter sein (da kannst du deine uhr danach stellen – hat mein nachbar gesagt). von meinem kellerboden also in 5,50. die letzten zentimeter beginnt mich das ganze projekt erstmals echt zu nerven. bisher klang vielleicht alles ein wenig negativ, aber das ist wohl eher österreichermentalität, aber jetzt find ichs echt langweilig und doof. bei 5,70 (also 20 cm „unter“ dem wasserspiegel den meine frisch gestellte uhr zeigt) bin ich der verzweiflung nahe. mein bohrrohr steckt seit ca 15 cm fest und läßt sich gar nicht mehr bewegen, aber egal. ich beschliesse also noch mal den bohrer genau abmessen und alles noch mal nachzurechnen. als ich das massband an der bohrerspitze anlege merke ich dass sie nass ist. ich schau wieder mal mit der lampe ins loch und sehe kein wasser, aber es ist nah. sehr sehr nah. und das ist gut. ich möchte noch richtig schön ins wasser bohren, dass man es gut sieht und bohre munter drauf los. jetzt ist die motivation gross….

… aber nicht lange. nach einigen bohrungen merke ich, dass ich nicht weiterkomme. die bohrerspitze ist immer noch feucht, aber ich komme keinen einzigen zentimeter mehr voran. es fühlt sich an, als ob der bohrer an einem wirklich grossen, runden stein reibt. seitlich geht nix vorbei. ich bohre ca. eine stunde so dahin und jetzt ist es wirklich so weit. ich habe meine erste stunde gebohrt wo ich genau 0 cm schaffe. der feind bleibt unter schotter und sand versteckt, so dass ich ihn optisch nicht begutachten kann. dann schütte ich kübelweise wasser in mein bohrrohr. das wasser versickert zu meinem erstaunen nicht mal. ich versuche so möglichst viel schotter um, unter und über dem stein zu lösen um ihn ein wenig locker zu kriegen. schotter löst sich genug, der stein sitzt fest. ich werfe das handtuch für heute. mir reichts. ich werde noch mal etwas rumprobieren, aber ich fürchte ich muss mir noch wirklich was ganz anderes einfallen lassen. aber wie sagte winston churchill „we will never surrender…“

heute: 4 std. tiefe 55 cm

gesamt: 32,5 std. tiefe 5,70 m

1.11.2006

so. im letzten monat hab ich mal unmotiviert eine riesen eisenstange ins rohr fallen gelassen, aber so richtig was getan hat sich nicht. dann hab ich die ganze homepage überarbeitet, aber das hat den stein nicht verschwinden lassen. ich hab aber auch noch keine lösung parat ich möchte nur festhalten:

der versuch ist noch nicht beendet 😉

ich werds noch schaffen! mir fällt schon was ein.

september 2007

kinder wie die zeit vergeht, da ist doch glatt schon wieder fast ein jahr vergangen, seit ich das letzte mal im keller geschuftet hab. natürlich war dieses jahr voll von tollen anderen projekten, aber in sachen brunnen war flaute. mein erster vorstoss zur brunnenbaustelle ergab, dass der stein, der mich letztes jahr noch zur verzweiflung brachte weg ist. richtig gelesen! er ist einfach weg. ich bin irgendwann in der keller und hab gebohrt und es war kein stein mehr da. mehr kann ich jetzt nicht dazu sagen…. und aus lauter übermut beschliesse ich jetzt das bohren sein zu lassen und aufs plunschen umzusteigen. doch mehr davon im nächsten teil der doku….

 

 


  1. harry

    hallo mein ‚leidensgenosse‘,
    wow, liest sich ja wie meine eigene ‚baustelle‘, wollen wir nicht ein buch schreiben, in der art: bohren bis der arzt kommt?
    wie sieht dein bohrloch aus, bist du auf wasser?
    grüsse, harry

    Antworten
  2. comment by losmuchachos
    el muchacho

    @ Harry: lies den 2. Teil des Artikels. Ich habe seit bald einem Jahr super Wasser in riesen Mengen. Möchte aber eh mal was darüber schreiben. lg

    Antworten

Was meinst du ???

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