Microhomes – was existiert am Markt

Nachdem ich gestern eine neue Kategorie (Microhomes) eingeläutet habe zuerst mal ein Überblick über die Microhomes, die ich so im Netz gefunden habe. In diesem Beitrag sind nur Häuser erwähnt, die es zu kaufen gibt, also keine Projekthäuser etc. Weiters nehme ich hier keine Häuser aus Übersee auf, weil kaum jemand ein Haus aus den USA kaufen wird.

Microcompacthome

Microcompacthome auf weniger als 7m2

Das bekannteste und vielleicht innovativste Haus ist sicherlich das Microcompacthome. Es ist alles was zum Leben benötigt wird in einem durchgeplanten Würfel mit nur 2,6m Seitenlänge untergebracht. Sicherlich nichts für den Alltagsgebrauch. Das Projekt ist wohl eher als Prestigeobjekt zu sehen. Die hervorragende Medienarbeit sorgt für wenigstens europaweite Bekanntheit. Mit einem potenten Sponsor wurde auch bereits ein Microhomevillage umgesetzt, in dem Studenten leben. Die Inneneinrichtung ist schlichtweg genial, weshalb wirklich alles auf den nicht mal 7m2 untergebracht ist.
Produziert wird in Österreich, angeliefert innerhalb weniger Tage nach ganz Europa mit LKW oder auch Hubschrauber. Es wurde nirgendwo gespart, weshalb der Preis in Relation zur Größe dann doch sehr geschmalzen ist.

  • Bewohnbarkeit: sehr begrenzt
  • Optik: genial
  • Preis: viel zu teuer (38.000 Euro für 6m2 ist nicht grad ein Pappenstiel)

Microhouse

Microhouse

Ein sehr interessantes Projekt (ebenfalls aus Österreich) ist das Microhouse. Für einen echten Muchacho (Selbermacher) ist interessant, dass das Haus als Bauanleitung um 150 Euro erwerbbar ist. Entwickelt wurde das ganze von einer Privatperson für den Eigenbedarf. Preislich ist das Haus (nicht nur als Bauanleitung) extrem interessant, was aber leider auch auf Kosten des Komforts geht. Nicht jedermann will Bad und Schlafzimmer nur durch Vorhänge getrennt haben und in einer Schrankküche kochen.

Das Haus ist als Einraumhaus konzipiert und mittlerweile in 3 Größen erhältlich. Sicher eine gute Anlaufstelle für potentielle Selbermacher, der Preis muss kritisch hinterfragt werden. Im angebotenen Onlineshop, mit mehr als spärlichen Beschreibungen, wird ohnehin keiner ein Haus kaufen. (Ist da innen überhaupt eine Rigipsbeplankung enthalten oder schaut man auf nackte OSB Platten ? Laut Beschreibung wäre das nämlich so.)

  • Bewohnbarkeit: gegeben, aber Einraumhaus mit Kompromissen
  • Optik: sehr gut, mit Max Fassadenplatten praktisch jede Optik möglich
  • Preis: sehr günstig, bei entsprechender Ausstattung
  • gute Anlaufstelle für Selbermacher, Selbermacher DVD erhältlich

Nomadhome

Nomadhome

Und noch ein Prunkstück aus Österreich. Nomadhomes sind optisch toll, extrem gut durchdacht, flexibel im Grundriss. Leider kann ich keine Preisliste etc. finden. Der Wandaufbau ist etwas ungewöhnlich (aussen eine dichte Folie). Wunderschöne Seite. Auch energietechnisch ist das Nomadhome anderen Häusern doch recht überlegen. Durchgängige Ausshülle mit U-Wert 0,17, da können sich andere was abschauen. Insgesamt ein gutes Konzept, mit gutem Design, vermute dass das Teil nicht ganz billig ist. Als sicherlich preiswertere Alternative gibt es die „basic“ Variante, ohne die stylishen Rundungen.

  • Bewohnbarkeit: sehr gut, flexibel im Grundriss, mobil, erweiterbar
  • Optik: super, zahlreiche Fassadenvarianten, schöne Rundungen
  • Preis: keine Ahnung, befürchte aber schlimmes 😉

Mikrohaus

Mikrohaus

Und noch ein Österreicher. Das Mikrohaus ist ebenfalls ein schön durchdachtes System etwas weniger stylish, aber sehr nutzbar, flexibel und nutzbar. Genial die Variante das Ganze auf eine Schwimmplattform zu setzen und als Hausboot zu nützen, sowie die Nutzung des Daches als Dachterrasse. Ausführliches Preisblatt ist auf der Homepage erhältlich. Es gibt so ziemlich alles als Aufpreisvariante, was einem einfallen könnte. Mit etwas über 1000 Euro/m2 aber ein preislich recht vernünftiges Konzept. Das Mikrohaus wird im Stahlrahmen gebaut und fertig montiert per Tieflader transportiert. Insgesamt wirkt das ganze Angebot sehr abgerundet, günstig und vielseitig. Mein persönlicher Favorit !

  • Bewohnbarkeit: sehr gut ! sehr flexibel
  • Optik: in Ordnung
  • Preis: sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis !
  • tolle Optionen wie Hausboot, begrünte Fassade, verschiedene Heizsysteme, 2-geschossige Verwendung usw.
  • mein Favorit !

Zweithaus

Zweithaus

Mit Zweithaus geht das erste Haus aus Deutschland ins Rennen. Das Haus ist einfach gehalten. Nur 10cm starke Wände bieten zu wenig Isolierung, standardmäßig keine Nasszelle, man rühmt sich sogar immerhin eine Doppelsteckdose ins Haus einzubauen. Zweithaus hat meines erachtens ein Problem sich zu positionieren. Für eine Gartenhütte zu gut, für ein Wohnhaus zu wenig.

  • Bewohnbarkeit: in mildem Klima begrenzt, andernfalls kaum
  • Optik: in Ordnung
  • Preis: ca 1000 Euro / m2 sind zu viel für das gebotene
  • keine Konkrrenz zu oben genannten.

Combi-Box

Combibox

Noch ein tolles österreichisches Konzept gibts von Combi-Box. Sehr umfangreiche Website, Vermarktung in Modulen mit Festpreis, Wände aus Polyuretan Sandwichpaneelen ist vielleicht gewöhnungsbedürftig, wird aber gut argumentiert.
Interessant für Selberbauer ist, dass eigentlich nur das Grundgerüst vertrieben wird. Innenausbau ist vollständig als Eigenleistung geplant. Die Module können in bis zu 3 Etagen aufeinandergestapelt werden.
Sehr lesenswerte Seite.

  • Bewohnbarkeit: sehr gut
  • Optik: gut
  • Preis: sehr günstig
  • bis zu 3 Etagen, Innenausbau Eigenleistung

the smarthouse

Smarthouse

Das Smarthouse bietet ein anscheinend solides, durchgängiges Konzept. Es rühmt sich erstes Minihaus unter 29,2 kWh/m2/a zu sein, was ein recht guter Wert ist, wobei man allerdings beachten müsste welcher Typ etc. diesen Wert tatsächlich schafft. Auf alle Fälle ein nettes durchdachtes Haus, das leider auf einer sehr schwachen Seite präsentiert wird.

  • Bewohnbarkeit: gut
  • Optik: gut
  • Preis: unbekannt
  • Rühmt sich „Energieweltmeister“ zu sein.

Wohlwagen

Wohlwagen

In eine ähnliche Kerbe wie der Vorgänger schlägt der Wohlwagen. Ein Mittelding zwischen Wohnwagen, Zirkuswagen und Haus wurde hier verwirklicht. Die Mobilität hat aber natürlich ihren Preis beim Komfort. Wunderschönes Design und urige Holzatmosphäre darf man für 28.000 Euro plus diversen Schnick Schnack sein Eigen nennen. Für dieses Geld gibts schon deutlich mehr „Haus“. Ein Schwerpunkt dürfte bei diesem Ding eher darauf liegen, wie man eine Wohnstätte wohin bekommt wo man normalerweise nicht bauen darf. Dafür ist dieses „Fahrzeug“ natürlich in höchstem Maß geeignet.

  • Bewohnbarkeit: eher keine Dauerwohnung, aber durchaus vorhanden
  • Optik: Spitze !
  • Preis: 28.000 plus Extras
  • Für den Schlafplatz an Orten, wo man niemals bauen dürfte.

Das ist noch lange nicht alles was es so gibt, was schon zeigt, dass es auf diesem Markt wohl deutlich mehr Angebot als Nachfrage geben dürfte. Nachdem der Artikel aber sonst etwas lange wird, mach ich später mal einen 2. Teil. Einstweilen viel Spaß beim Stöbern.


  1. Christine Hauser

    Hallo,
    mal ganz vielen Dank für Deine aufschlussreiche Recherche. Eine der
    besten Seiten, die ich je im Netz gefunden habe. Baue schon länger für jede Lebenszeit das passende Haus, oder repariere eins etc.
    Möchte jetzt ein kleines, barrierefreies (ich hasse dieses Wort klingt nach Seniorenteller oder Kaffeegedeck) bauen. Das gut durchdacht ist, nur so für zwei Oldies. Wollte mir morgen das Buch „Winzig“ kaufen. Tue ich auch.
    Wenn Du/Sie mal Zeit hast, könnten wir vielleicht eine Empfehlung bekommen, welches Modell Deiner Ansicht nach für 2 Bestager (Himmel) die später mal den Rolli brauchen noch tragbar wäre?
    Nochmals danke, echt tolle Seite. Nomadhome Trend kostet ab 155 000€.
    Liebe Grüße
    Christine

    Antworten
    1. comment by losmuchachos
      admin

      Hallo Christine,

      Danke erst mal für dein Lob.

      Ich hab die Sachen aus dem Netz zusammengesucht und kenne die Häuser viel zu wenig als, dass ich dir eine wirklich hilfreiche Meinung zur Auswahl geben könnte.

      Ich hab mir mal die Kriterien angesehen, die eingehalten werden müssen, damit eine Immobilie als barrierefrei und rollstuhlgeeignet gilt. Das passt nicht recht gut mit Microhome zusammen. Es ist die Frage ob man eine Immobilie als rollstuhlgerecht auslegen muss. Ich hatte da auch einige Diskussionen mit meiner besseren Hälfte. Im Prinzip kenne ich niemanden, der im Rohlstuhl sitzt und trotzdem noch zu Hause wohnt. Verwandtem, Bekannte usw. wurden alle so alt um in ein Heim zu kommen, keiner von denen saß aber im Rollstuhl. Ist also die Frage ob man sein Leben darauf auslegen muss. Andere Sache ist sicher, es teilweise altersgerecht auszulegen. Also keine Stufen etc. Wenn du auf rollstuhlbenutzbarkeit wert legst kannst alle angebotenen Modelle vergessen. Türen viel zu schmal, Bäder viel zu klein.

      Sollte ich jetzt ein Microhome bauen würde ich laaaange planen, viel ansehen, das Buch kaufen und hier posten wie es ist 😉 und dann selber bauen. Ein Zimmermann stellt dir das Grundgerüst in ein paar Tagen für billiges Geld hin. Ich würde besser isolieren als die meisten Microhomes isoliert sind. Als Heizung würde ich eine Luftwärmepumpe nehmen mit Flächenheizung (Boden und Wand). Wirklich ordentliche Bauausführung, kontrollierte Wohnraumlüftung, individuelle Raumaufteilung, schöne Terrasse…..

      Halt mich am Laufenden !

      lg

      Marcus

      Antworten
    1. comment by losmuchachos
      admin

      Hallo Heike,
      danke für den Link. So wie ich das sehe, kann man das Ding nicht kaufen. Damit fällt es leider in die zahllosen Projekte von Prototypen und Einzelanfertigungen. Nichtsdestotrotz finde ich es eines der interessantesten Projekte die ich je gesehen hab. Tolle Idee.

      danke nochmal & lgm

      p.s. ein bisschen mehr findet man auf der Homepage der Architekten und hier

      Antworten
  2. Lina-Sophie Kühn

    Hey Leute!

    Das Nomadhome kostet pro m² ca. 2.000 Euro, nicht billig, geht aber. Für das geile Aussehen würde ich alles zahlen: modern, komfortabel und vor allem nicht bunt. Ich liebe ja neue Technik und bin eher so der weiß&elegant-Typ.

    lG und bb,
    eure Lina

    Antworten
  3. Manfred

    Ich finde dieses Konzept der Mini-Häuser echt super! Man könnte so viel mehr damit erreichen, wenn das Ganze noch mehr Anklang finden würde. Ich denke da vor allem an Studenten, die die Preise in den Großstädten eh kaum noch bezahlen können!

    Antworten
  4. Reinhard

    Hallo miteinander!

    Erst einmal vielen Dank an Marcus für die tolle Übersicht.
    Offenbar finden sich hier die Leute, die sich für das semimobile / modulare Wohnen interessieren. Auch ich beschäftige mich seit längerem mit dem Thema, da mir die klassischen Bauweisen zu sehr einen Strich durch meine Lebensphilosophie machen. Bis heute war für mich die einzige Alternative dazu das Mieten.
    Einige Fragen gehen mir nicht aus dem Kopf. Woran liegt es, dass diese Modular-Konzepte alle ein Nischendasein führen? Was muss ein modulares Konzept können, damit es sich gegen die klassischen Bauweisen durchsetzen kann? Selbst Marcus als Erschaffer dieser Seite gibt letztlich Christine den Tipp, mehr oder weniger klassisch zu bauen – warum?
    Der Grundgedanke des modularen und damit semimobilen Wohnens ist doch einfach nur bestechend.

    Eure Meinung dazu würde mich interessieren.

    Liebe Grüße
    Reinhard

    Antworten
    1. comment by losmuchachos
      el muchacho

      Ich geb dir recht Reinhard. Schwierige Sache. Einerseits ist in Österreich immer noch die Ansicht vorherrschend, dass Bauen für die Ewigkeit sein muss. Menschen die ein Haus bauen glauben, dass sie den Rest ihres Lebens in diesem Haus verbringen werden, auch wenn sie das dann in den seltensten Fällen wirklich tun. Dann ist natürlich der Sicherheitsgedanke vorherrschend. Wenn man sich finanziell ein halbes Leben an eine Immobilie bindet, dann soll das zu 100% passen. Auch Minihäuser sind nicht geschenkt. Ich glaube einfach, dass viele die Angst haben, dass es dann doch nicht passen könnte und das will keiner riskieren.

      Ich „plane“ so vage an einem Minihaus im Eigenbau, das irgendwann in vielen Jahren mal realisiert werden soll. Aber schon in dieser Phase stößt man auf viele Probleme. Raumaufteilung, Haustechnik usw. usw. Im Detail hat dann doch vieles Tücken.

      Aber trotzdem ein geniales, interessantes Konzept. Und zum Glück gibt es dann doch einige wenige, die damit was anfangen können. Mehr vielleicht derzeit noch im gewerblichen Bereich, wie dieses geniale Projekt…

      http://www.loftcube.net/timetunnel.aspx

      Über die Problematik, der realen Durchsetzung von Minihausprojekten hab ich mich ja auch hier ausgelassen:

      http://www.losmuchachos.at/microhome/minihaus-2014-es-hat-sich-viel-getan-und-auch-nicht/

      Antworten
  5. eric

    Hallo,
    Schade dass nicht bei allen angeboten ein Preis zu lesen ist. Wie sind die realen Kosten wenn man eines selbst bauen möchte? darüber würde ich gern mal fundierte infos finden um mal ernsthaft über diese Idee nachzudenken.
    Auch wäre gut zu wissen, wie sich die kosten aufschlüsseln (Fenster, Türen, etc..) um einschätzen zu können wo/wieviel man sparen kann.
    Ansonsten danke für die zusammenfassung!

    Antworten

Was meinst du ???

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.