KNX Installation verlegen

Der Selbermacher will natürlich auch bei der Elektroinstallation selbst Hand anlegen. Hier eine kurze Beschreibung wie man ein KNX System grob verlegt. 

Zuallererst die üblichen Sicherheitshinweise. Man sollte bei Elektroinstallation wissen was man tut. Man sollte einen Fachmann zur Hand haben, der einem sagt was zu tun ist und alles noch mal kontrolliert. Es ist aber auch so, dass z.B. gerade Stemmen, Kabelziehen usw. Arbeiten sind die jeder Elektriker gerne abgibt und wo man schnell eine Menge teure Arbeitszeit vom Professionisten einsparen kann. Daher dieser Artikel, der für den Laien verständlich die KNX Verlegung mit Twisted Pair erklärt.

KNX ist ein Bussystem, d.h. dass über ein Buskabel digital sämtliche Steuersignale gesendet werden. Vorbei also die Zeiten wo man den Strom zu einer Lampe durch einen Schalter schleifen musste und man dort einfach den Stromkreis geschlossen hat. Bei KNX sendet jeder Schalter einfach ein Signal auf den Bus. Man spricht von einem Bustelegramm. Zur KNX Installation sollte man auf jeden Fall ein KNX Buskabel in grün (Y(ST)Y 2x2x0,8) verwenden. Dieses gibts im Internet schon um ca. 40 Euro / 100m. Es befinden sich darin 4 Drähte. 2 davon nämlich rot und schwarz verwendet man für den Bus. Weiss und gelb hat man als Reserve. Diese Drähte sind jeweils paarweise verdrillt (=twisted pair) und dann noch zusätzlich geschirmt.

Das KNX Kabel legt man nun zu jeder „Station“ wo man ein Bussignal senden oder empfangen will. Signale senden üblicherweise Sensoren, dazu zählen normale Schalter, aber auch Wetterstationen, Bewegungsmelder, Temperatursensoren usw. Nachdem man als Selbermacher Zeit hat zu planen sollte man hier nichts überstürzen. Man sollte das Buskabel überall hinlegen, wo man glaubt einmal einen Bus zu brauchen. Man kann z.B. in allen Räumen eine Ringleitung in einer bestimmten Höhe legen, so dass man diese jederzeit anzapfen kann. Ich persönlich empfinde das etwas übertrieben, mal sollte aber durchaus in Rigipswänden und Decken, in „elektrisch viel genützten Zonen“ wie Computerarbeitsplatz oder TV/HiFi Ecke/Küche das Kabel auch reinlegen, wenn man hier momentan noch keinen Bedarf hat. Man kann beliebig von einem Schalter zum nächsten gehen. Beim Schalter einfach jeweils 15-20cm das Kabel raushängen lassen, oder eine Schlaufe legen und direkt weiterziehen. Zusammenfassen wird man die Buskabel am besten alle im Schaltkasten, wo man sie auch einfach in ausreichender Länge (am Besten so , dass sie von der Länge in alle Ecken des Schaltkastens kommen) hineinlegt. Man darf beliebig Abzweigungen im Buskabel verlegen, jedoch keine Ringe ! An KNX Geräten befinden sich später Steckklemmen, in die man bis zu 4 Kabel stecken kann. Man kann auch die unbenützten Drähte (weiss und gelb) später in der Schalterdose zusammenklemmen, damit man hier ebenfalls ein Netz über das ganze Haus zur Verfügung hat.

Als Dose reicht normalerweise eine normale Installationsdose, viele empfehlen extra tiefe Dosen zu verwenden, was aber im Normalfall nicht wirklich notwendig ist. Auch für höhere Schalter oder sogar kleine Touchdisplays braucht man nur EINE Dose. Während man früher also gleich entscheiden musste, wieviele Schalter man wo braucht und was diese schalten sollen, muss man heute nur noch definieren wo sich ein Schalter befinden soll, ob das später ein Einfachtaster oder ein 12 Punkt Taster wird ist egal.

Man darf das Buskabel gemeinsam mit 230V Leitungen verlegen. Ich würde das aber nur im Notfall machen. Sollte man also wo nicht nur Bus sondern auch Strom brauchen würde ich diesen in getrennte Leerrohre legen. Für die Busleitung bewährt sich ein 20mm Leerrohr, manche legen auch 25mm um später Reserven zu haben. Im Boden muss man ein trittfestes (dunkelgraues) Leerrohr verwenden. Leerrohre kann man mit Steckmuffen verbinden.

Damit hat man schon mal das Buskabel gelegt. Ich empfehle alles ausreichend zu fotografieren, bevor es wieder zu gemacht wird, das bewährt sich!

Geschalten wird jetzt im wesentlichen im Schaltschrank. Hier verwendet man z.B. einen Schaltaktor, der ein Licht ein und ausschaltet. Somit muss man jedes Licht extra in den Schaltschrank ziehen. Hier gemeinsam Nulleiter und Erde mit Steckdosen zu verwenden etc. würde ich bei normalen Lichtern nicht machen. Besser ist es ein eigenes Leerrohr bis in den Kasten zu ziehen, und 3 x 1,5mm (Grün/gelb, blau und eine Farbe, jedoch nicht schwarz) Drähte einzuziehen. Sauber Beschriften und wieder genug Reserve im Kasten lassen (wenn zB. die Drähte von unten in den Kasten kommen, dann in einer Länge abschneiden, dass die bis zum oberen Rand des Kastens gehen. Mag wie Verschwendung aussehen, aber der Elektriker wird es einem später danken. Auch wenn er gerade beim Einsatz von Reihenklemmen etc. wieder viel wegschneiden wird.)

Steckdosen werden heute üblicherweise zumindest raumweise abgesichert. In Räumen mit vielen Verbrauchern wie Küche müssen mehrere Kreise und auch Starkstrom gelegt werden, das sollte man entweder wissen oder sich vom Elektriker absegnen lassen! Man zieht also in jeden Raum vom Schaltkasten ein Leerrohr mit wieder 3 Drähten (diesmal ein schwarzer dabei). Von einer Steckdose zur nächsten kann man dann „durchschleifen“. Will man später Steckdosen über Bus ein- und ausschalten können, so muss man eine weitere Farbe dazulegen. Im Leerrohr kann man das üblicherweise auch nachträglich noch einziehen, aber zu TV / Computer etc. würde ich auf jeden Fall eine eventuell auch mehrere Phasen zusätzlich verlegen. In „normalen“ Räumen ist das meist nicht nötig.

Rollläden und Jalousien versorgt man sinnvollerweise mit 4 x 1,5mm Kabel vom Schaltkasten entweder bis zu einer Dose neben dem Fenster, oder gleich bis raus zum Fenster. Das stimmt man aber am besten mit der Beschattungsfirma / Elektriker ab. Es ist aber möglich Rollläden und Raffstores ohne Abzweigdose neben dem Fenster zu legen (auch wenn die meisten das nicht gerne haben, weil es eine furchtbare Fummelei ist)

Im Wesentlichen war das auch schon alles. Die Installation ist also mit KNX viel einfacher als ohne. Kein Kabelwirrwarr bei Wechselschaltern und ewige Überlegereien. Buskabel durchs ganze Haus, Steckdosen, Lichter & Rollläden in den Kasten und das wars.

Schlecht ist es immer, wenn man etwas vergisst. Dies passiert aber mit dem Professionisten viel leichter, weil man viel weniger Zeit zum Nachdenken und Planen hat. Hier ist also der Selbstplaner deutlich im Vorteil. Hier aber ein paar Anregungen, die vielleicht hilfreich sind.

* Türkommunikation ist heute noch meist ohne Bus, das wird sich aber zunehmend ändern. Buskabel in der Nähe der Eingangstür oder sogar hinter der Sprechanlage macht Sinn !

* Es gibt Türkontakte die dem Bus melden, ob eine Tür versperrt ist. Unzählige Möglichkeiten ergeben sich mit diesen Sensoren, aber ein Buskabel muss dort liegen…

* Küchengeräte werden über kurz oder lang alle Im Internet oder am Hausbus hängen. Dafür sollte man vorsorgen und ein Buskabel im Küchensockel stört keinen.

* Das selbe wie für Küchengeräte gilt für Heizung / KWL.

* Zur TV/HiFi Ecke und zum Arbeitsplatz (Server, Computer etc.) auf jeden Fall ein Buskabel legen.

* Es gibt spottbillige Fensterkontakte. Spottbillig sind sie vor allem, wenn sie bereits bei der Fensterbestellung in Auftrag gegeben werden. Die Kabel muss man dann zu einem Buseingang (Binäreingang) ziehen. Dieser kann einzeln in Dosen beim Fenster untergebracht sein (-> Buskabel in die Dose zum Fenster), sinnvollweise aber im Schaltkasten (Kabel vom Reedkontakt in den Schaltkasten). Hier also ausreichend Leerrohre vorsehen. Fensterkontakte sind toll !

Viel Spass beim Planen und Verlegen. Tipps soweit ich dazu in der Lage bin gebe ich gerne im Losmuchachos Forum. Tipps für spätere Arbeiten folgen….

 

 

 

 

 


  1. Bastian

    Tolle Anleitung. Ich hab in den nächsten Jahren auch vor das Haus zu renovieren. Unten müssen eh überall neue Fenster rein und die Elektroinstallation ist auch schon viele Jahrzehnte alt. Da werde ich dann wohl auch ein Bus System installieren.

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  2. Steffen B.

    Danke für die verständnisvolle Anleitung, ist für mich auf jeden fall hilfreich!!!

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  3. Katja

    Ich kann mich meinen Vorgängern nur anschließen. Da uns gerade KNX für 20.000 € zusätzlich zur Elektroinstallation angeboten wurde, überlegen wir nun, ob wir das nicht auch selbst machen könnten. Wieviel Zeit muss man denn für die Verlegung des KNX für ein größeres EFH (ca. 250 m²) als Selbermacher rechnen?
    Für die Programmierung wird uns ev. das kostenlose Programm nicht ausreichen, gibt es dazu Empfehlungen?

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  4. Gerhard

    Ich habe einen Kabelkanal an der Wand unter der Decke (Keller) und gehe mit mit kleinen Kanälen runter zu den Schaltern (AP).

    Was mich interessieren würde:
    Verzweige ich nun das KNX-Kabel im Kabelkanal und ziehe eine KNX-Leitung zum Schalter? Oder ziehe ich das KNX-Kabel zum Schalter, verzweige es dort und gehe mit einem zweiten Kabel wieder zurück zum oberen Kabelkanal?

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    1. comment by losmuchachos
      el muchacho

      Hi Gerhard,

      ich persönlich würde in den Schalter runter. Oben Klemmen brauchen Platz und sind fehleranfällig.

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  5. Reinhard

    denkst du das ein system von Lexone für nen 100 m² Bungalow auch reicht ? Denk das es Preislich interessanter sein wird ! oder meinst du in diesem System fehlt etwas ? der Verkabelungsaufwand ist meiner meinung nach geringfügig mehr ( Cat7 )
    Danke für Info´s

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    1. comment by losmuchachos
      el muchacho

      Loxone reicht auch für größere Häuser. Ob es die richtige Entscheidung ist, bleibt trotzdem die Frage.

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