Kontrollierte Wohnraumlüftung – wer braucht das schon ?

Was ist eine kontrollierte Wohnraumlüftung ?

Die KWL (kontrollierte Wohnraumlüftung) ist die Zufuhr von Frischluft in kontrollierter Menge und Qualität. Im Normalfall wird das heute mit Wärmerückgewinnung gearbeitet, das heisst, dass die Wärme der Abluft genützt wird um die Zuluft vorzuwärmen. Es gibt auch dezentrale Lösungen, reine Abluftanlagen etc. Hier geht es aber nur um die zentrale Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Bei der KWL wird durch Abluftdüsen die Abluft angesaugt und zu einem zentralen Gerät transportiert. Dort läuft sie durch einen Wärmetauscher und wird ausserhalb des Hauses ausgeblasen. Die Frischluft nimmt den umgekehrten Weg. Somit hat man im Haus stets frische, vorgefilterte, vorgewärmte Luft.

Wozu eine KWL ?

Energieeffizientes Bauen gewann in den letzten Jahren enorm an Bedeutung. Anfangs war fehlende Dämmung die Hauptursache für hohe Heizkosten, also wurden Häuser in zunehmend besserer Qualität isoliert und gedämmt. Dadurch wurden andere Energieverlustfaktoren immer bedeutender. Unter anderem hat man versucht durch möglichst winddichtes Bauen den Energieverlust durch „Zugluft“ zu minimieren. Dies betreibt man heute bis zum Exzess, so dass bei modernen Passivhäusern die Summe der gesamten Undichtigkeiten kleiner ist als ein Eurostück. Es werden Stromleerrohre zugeklebt, Windsperren verklebt und an den Fensterrändern extra Dichtbänder eingebracht um das Haus absolut dicht zu bekommen. Das Ganze hat auch durchaus Sinn und ist eine gute Sache, abgesehen davon, dass man die verbrauche Luft auch irgendwie wieder ersetzen muss. Viele Leute meinen sie lösen dieses Problem ohnehin über Fensterlüftung, was leider nicht funktioniert. Die von Baubiologen heute geforderten Frischluftraten lassen sich mit Fensterlüftung praktisch nicht erreichen. Mal ehrlich ! Wer macht denn schon 5 mal täglich eine gründliche Strosslüftung im ganzen Haus. Ausserdem hat die Fensterlüftung den Nachteil, dass sie nicht kontrollierbar ist (die Luftwechselrate ändert sich z.B. bei mehr Wind um ein Vielfaches etc.) und dass man die warme Luft zum Fenster hinaus lüftet und die Wärme so verloren ist.

Was bringt eine KWL ?

1. stets frische Luft im ganzen Haus. Es handelt sich nicht um „Klimaanlagenluft“ etc. es ist Frischluft aus dem Garten, gefiltert und vorgewärmt (im Sommen ev. auch gekühlt), kaum Staub, kaum Pollen usw.

2. Die Energiekennzahl des Hauses verbessert sich deutlich ! Das verbessert die Energieklasse im Energieausweis und erhöht den Wert des Hauses. Energiekennzahlen unter 30 (NEZ) sind praktisch ohne KWL nicht mehr realisierbar.

3. Frische Luft auch bei geschlossenen Fenstern. Weniger Hitze im Sommer, keine Insekten, weniger Staub, kein Lärm usw.

4. keine Geruchsbelästigung in WC, Küche etc. unangenehme Düfte werden sofort mit der Abluft abgesaugt.

Die KWL ist somit ein echter Mehrwert für das Haus und ein Vorteil für die Gesundheit.

Wieviel kostet eine kontrollierte Wohnraumlüftung

Für ein EFH kann man grob mal 10.000 Euro veranschlagen. Natürlich hängen die Kosten von einer Vielzahl von Faktoren ab. Unter 6000 Euro wird man es selbst bei kleinem Haus und Selbermachen kaum schaffen, über 20.000 wird man auch kaum zusammenbringen. Das zentrale Gerät kostet um die 2-3000 Euro, die Verteilungsleitungen, Düsen etc. ca. 3-5000 Euro, Rest ist Arbeit. Bei den Kosten sollte man aber auch berücksichtigen, dass man

1. die Lüftung oft vom Staat oder Bundesland gefördert wird

2. man eine bessere Energiekennzahl erreicht, was auch andere Förderungen verbessern kann

3. man Jahr für Jahr Energie spart

4. man echten Komfortgewinn erhält

5. das Haus einen höheren Wert hat

usw.

Wie wird eine KWL ausgelegt

Zuerst wird die KWL berechnet. Dabei erhält man eine genaue Auslegung der gesamten Anlage für das betreffende Haus. Heute wird meist so gelegt, dass man Abluft- und Zulufträume festlegt (Abluft = Bad, WC, Küche, Zuluft = Wohn- und Schlafräume), sowie verschiedene Überströmbereiche (Diele etc.) Für jeden Raum wird errechnet, wieviel Luft umgesetzt werden muss. Dazu gibt es genaue DIN-Richtlinien.

Hervorragend ist der Online Planer der Firma Helios. Nach Registrierung erhält man sogar gleich eine genaue Materialliste seiner Anlage mit Listenpreisen etc. Die Berechnung erfolgt gemäß DIN Normen und ist besser als so manche Berechnung von Installateur. Dank diesem Online Berechnungstool kann man eine KWL meiner Meinung nach auch völlig selber planen und bauen.

Wie wird die KWL verlegt

Bei der Verlegung der KWL gab und gibt es zahlreiche Systeme am Markt, von denen sich doch immer mehr das mit den flexiblen Schläuchen durchsetzt. Das System überzeugt in allen Bereichen, weshalb es meiner Meinung nach keine Alternative dazu gibt. Dieses funktioniert folgendermassen:

Angesaugt wird die Luft irgendwo aussen. Das kann entweder durch eine Ansaughaube und eine Erdvorwärmung passieren (alles zur Erdvorwärmung gibts hier zu lesen), oder einfach durch eine Ansaugöffnung an der Aussenwand. Die Luft wird durch Rohre mit 15 – 20 cm zum Zentralgerät geführt, in dem sich Wärmetauscher und Ventilatoren befinden. Aus dem Gerät kommt wieder ein 15-20cm Rohr, das zu einer zentralen Stelle im Haus geführt wird. Dort befindet sich ein Verteilerkasten mit Schalldämpfer, an dem zahlreiche flexible Schäuche angebracht werden, die in die einzelnen Räume gelegt werden. Diese flexiblen Schläuche gibt es in 63, 75 und 90mm Durchmesser, wobei ich die 63mm Schläuche für ungeeignet halte. In Räume mit höherem Luftbedarf werden 2 Schläuche gelegt. Diese Schläuche können überall verlegt werden, wo man sie verstecken kann. Oft werden sie direkt in die Betondecke eingegossen, man kann sie aber auch im Fußbodenaubau (bei ausreichender Höhe) in abgehängten Decken, in Leichtbauwänden usw. unterbringen. Ich würde den Verteilerkasten zugänglich lassen um später Revisions- und Reinigungsarbeiten zu ermöglichen. Hier haben Selbermacher wieder den Vorteil Lösungen austüfteln zu können, für die ein Installateur keine Zeit hat. Am Ende der Schläuche wird ein Verbindungsstück und eine Ein-/Ausströmdüse angebracht. Diese gibt es als Boden, Decken oder Wanddüse. Wichtig ist, dass die Düsen regelbar sind, weil über die Düsen der Abgleich durchgeführt wird, dass in jedem Raum die richtige Menge Luft eingeblasen wird.

Kritik & Nachteile

Wo es Innovation gibt gibt es auch Kritiker,  und oft liegen diese gar nicht falsch. Bei der KWL gibt es im Wesentlichen nur sehr wenige Kritikpunkte:

1. Hygieneprobleme. Zahlreiche Langzeitstudien haben ergeben, dass ordentlich gebaute KWL keinerlei hygiensiche Probleme mit sich bringen. Im Gegenteil der gesunheitliche Nutzen durch die deutlich verbesserte Luftqualität hat eher positive Aspekte. Auf alle Fälle sollte man die oben erwähnten flexiblen Rohre und einen zugänglichen Verteiler verwenden, wodurch man im Bedarfsfall auch die Rohrleitungen mal Kontrollieren / Reinigen lassen könnte.

2. kein Fenster öffnen. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass man mit KWL kein Fenster aufmachen darf. Wie oben bereits erwähnt ist das völliger Blödsinn. Ich muss kein Fenster aufmachen, ich darf schon.

3. Klimaanlagenluft: Obwohl moderne Klimaanlagen ja auch schon recht gute Luft liefern, haben trotzdem Klimaanlagen bei vielen Menschen einen recht schlechten Ruf (auch bei mir !). Eine KWL hat aber mit einer Klimaanlage nichts zu tun ! KWL Luft ist Frischluft keine Klimaanlagenluft !

4. trockene Luft. Die Luft wird im Winter relativ trocken. Der Grund dafür liegt im physikalischen Phänomen, dass kalte Luft nur wenig Flüssigkeit aufnehmen kann. Wird diese Luft dann im Wärmetauscher aufgewärmt, dann ist die Luft sehr trocken. Das ist völlig richtig, es macht aber überhaupt keinen Unterschied ob man die gleiche Luftmenge mit Fensterlüftung oder mit KWL austauscht. Es wird gleich trocken im Raum. Der Kritikpunkt der trockenen Luft zeigt somit nur, dass mit Fensterlftung nicht genug gelüftet wird, sonst hätte man eine genauso trockene Luft, das ist physikalisch bedingt und keine Frage der Lüftungmethode. Ich mag trockene Luft auch nicht allzu gerne, aber man kann dafür seine Wäsche in der Wohnung trocknen und hat trotzdem keinen Schimmel, kann ein offenes Aquarium haben und es wird nicht modrig usw. Wem es wirklich zu trocken wird, der kann eine Lüftungsanlage mit Feuchtigkeitsrückgewinnung anschaffen, oder Luftbefeuchter einsetzen. (oder die Lüftung zurückdrehen, das geht bei undichten Häusern nicht.)

Fazit

Heute oft noch etwas „schief“ angeschaut wird die KWL bald Standard in Wohngebäuden sein. Ein Neubau oder eine gründliche Sanierung ohne KWL ist absoluter Unfug. Auch bei nicht „völlig dichten“ Häusern ist die KWL durchaus zweckmäßig. Somit braucht heute eine KWL jeder der ein Haus baut. Eigenbau ist absolut möglich und wie immer beim Selbermachen wird das Ergebnis durchdachter als so manche 08/15 Lösung.


  1. +++name auf wunsch gelöscht+++

    Guten Tag,
    mit großem Interesse habe ich gerade Ihren Bericht über die KWL gelesen und habe hierzu eine Frage. Wir sind zur Zeit am Planen unseres Neunaus EFH und möchten gerne eine Erdwärmepumpe (Sole/Wasser). Bei der Beratung mit einer Heizungsfirma wurden wir auf die KWL aufmerksam gemacht. Natürlich ist alles eine Frage des Geldes, kann man sich wirklich alles leisten? Jetzt aber zu meiner Frage: Besteht die Möglichkeit, alle Vorkehrungen für eine KWL zu machen, diese dann aber erst zu einem späteren Zeitpunkt (wenn vielleicht bißchen Geld gespart wurde) zu kaufen und einzubauen???
    Es wäre schön, wenn Sie sich bei uns melden würden.
    Herzlichen Dank & Grüße,
    +++name auf wunsch gelöscht+++

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    1. comment by losmuchachos
      el muchacho

      Hallo +++name auf wunsch gelöscht+++,

      prinzipiell ja. Man kann die Rohre alle verlegen. Dazu gehören die Anschlussstücke für später die Ventile. Wenn man den Verteilerkasten einbaut, muss man den auch gleich machen. Ist der im Keller kann man das auch aufschieben. Die Arbeit wird zu grossen Teilen die Baufirma mitmachen, weil die Rohre meistens in die Decke mit einbetoniert werden. Ich werde heute mal Fotos von einer Anlage machen, die gerade entsteht, dann kannst du dir ein besseres Bild machen.

      Kosten würdest du dir geschätzt ca. die Hälfte sparen. Wenn du die Verteilerkästen nicht brauchst vielleicht etwas mehr. Hängt aber auch vom Rohrsystem ab etc. Sollte man aber mit dem Heizungsbauer abklären können. Prinzipiell finde ich die Idee aber recht gut. Nachträglich machst du sicher keine KWL mehr !

      lg

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    2. comment by losmuchachos
      el muchacho

      Hab einen neuen Artikel online der dich interessieren könnte. Preise für die Einzelteile kannst du auf der Helios Homepage beim kwl Easyplanner rauskriegen, aber nicht schrecken, das sind Listenpreise. Damit kannst du ziemlich genau abschätzen, ob dein Vorhaben Sinn macht.

      lg

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  2. Big Boss

    Schönen guten Tag,

    den Bericht finde ich auch sehr interessant. Allerdings sind wir schon ein gutes Stück weiter. Unser Rohbau steht und wir müssen uns nun in den kommenden Tagen für oder gegen eine KWL mit WRG entscheiden. Leider gibt es anders als bei Heizungsanlagen keinen seriösen Testbericht zu den einzelnen Herstellern und den Anlagen. Preislich unterscheiden diese sich doch z.T. enorm (6.000 bis 12.000). Auch wenn die meisten Anlagen zwischenzeitlich in den Estrich gelegt werden, gibt es Systeme mit Revisionsklappen und ohne. Auch was die Art der Verlegung angeht. Einige Systeme lassen sich nur sehr umständlich nachträglich einbauen, ohne das man mit Trockenbauverkleidungen arbeiten muss. Möchte man nicht all zu viele Verkleidungen und hässliche (bautechnische) Änderungen, sollte man schon am besten mit dem Architekten die Integration einer KWL planen. Das haben wir auch gemacht, aber ohne konkret ein System (Hersteller) in Betracht zu ziehen. Erst jetzt merken wir, wie sich diese unterscheiden und das unsere Planung gut gemeint, aber leider sinnlos war. Vor Baubeginn sollte daher ein System feststehen und dieses anhand seiner Einbaueigenschaften eingeplant werden. Installationsbetriebe sind nicht immer sehr hilfreich, wenn es darum geht sich für einen KWL Hersteller zu entscheiden. Jeder hat das beste System und die Anderen sind immer schlechter…

    Zu meinem Vorgänger kann ich nur sagen, das eine Vorbereitung und nachträgliche Installation m.E. nicht möglich ist. Ich bin kein Lüftungsbauer, sondern lediglich ein interessierter und versierter Bauherr. Wenn der Estrich erst einmal trocken ist, können die Rohrleitungen nur noch Aufputz verlegt werden. Auch wenn man diese verkleidet ist es kein schönes optisches Bild. Stemmarbeiten in den Wänden sind extrem aufwendig und teuer. Wer mach schon sein Häuschen hübsch, um es 4 Jahre später wieder zu verschandeln? Wenn die Elektroleitungen liegen und die Wände nicht dick genug sind, können die Leitungen auch nur schwer in der Wand verlegt werden.

    Zur Zeit beschäftigt mich die Frage nach dem System. Welcher Hersteller hat das beste Preis/Leistung Verhältnis? Welche Anlage ist gut und welche nur überteuert? Wie Zukunftssicher sind die Analgen? Mein Haus soll min. 50 Jahre stehen. Ich schätze nicht, das die Lüftungsanlage so lange am Stück durchhält. Die Motoren und Ersatzteile, die Anlage insgesamt. Wie lange werde ich die nutzen können. Die Rohre liegen auch in 30 Jahren noch im Boden. Wird es noch eine passende Anlage / Nachfolgemodell geben? Wird es den Herstelle in 30 Jahren noch geben?

    Eine Preisfrage sind auch, ob die Luftaus- und -einlässe im Boden, in der Wand oder in der Decke liegen? Im Boden ist ab günstigsten, wegen den kurzen Leitungslängen. Aber Luftstörumgstechnisch sind Bodenaus und Einlässe suboptimal…. Fragen über Fragen und die Antworten werde ich erst in 10 Jahren haben, wenn ich meine Erfahrungen mit der Anlage gemacht habe.

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    1. comment by losmuchachos
      el muchacho

      Hi Big Boss,

      danke für deinen langen Kommentar. Vorweg, auch ich bin „nur“ versierter Bauherr und Bastler. Meine neue KWL hab ich selbst gemacht.

      Zum Anlagenvergleich gebe ich dir 100% recht. Das ist ein Problem. Es gibt einen Wirkungsgrad, den kann man vergleichen. Sparsame Motoren haben heute ohenhin fast alle Anlagen. Dann gibts noch Feuchtigkeitsrückgewinnung mit Rotationssystem oder Entalpie. Aber die Preisunterschiede verstehe ich auch nicht wirklich. Ich bin bei einem recht günstigen Produkt gelandet.

      Deine Ausführungen zu den Vorbereitungen kann ich nur teilweise nachvollziehen. Man muss sich auf ein Rohrsystem festlegen, das ist klar. An einen Verteilerkasten kann ich aber jede beliebige Anlage hängen. Nachträgliche Installation ist also relativ. Man müßte die Rohre gleich fix fertig installieren. Leerschächte oder so sind sicher keine Option da gebe ich dir recht. Hat man aber die Rohre fertig gelegt, ist die Anlage im prinzip fertig installiert und man kann sich immer noch entscheiden ob man dann jemals Verteilerkästen und ein Gerät dranhängt. Das Risiko ist halt dass man gut 30-50% der Anlage investiert und dann nie in Betrieb nimmt, das riskiert man.

      Bodenauslässe sind nichts, da sind wir uns einig, allerdings sind sie auch nicht günstiger. Man braucht eine vernünftige Niro Andeckung etc. das ist viel teurer als alle anderen Auslässe.

      Bzgl. Langlebigkeit. Die Anlage kann jederzeit repariert und gewechselt werden. Ich bin auch der Meinung, dass man die Verteilerkästen zugänglich lassen sollte wodurch eine Reinigung des Rohrsystems möglich wird. Ich bin überzeugt von der Methode der flexiblen runden Rohre. Ich mach heute Bilder und stell sie die nächsten Tage online.

      lg

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  3. Big Boss

    Hallo el muchacho,
    schnelles Feedback und tolle Bilder. Leider habe ich gerade wenig Zeit und möchte meinen Standpunkt doch noch schnell begründen. Die meisten Hersteller bieten zwischenzeitlich zwei unterschiedliche Rohrsysteme an. Die Rundrohre sind preislich oft günstiger und für die Verlegung in der Betondecke vorgesehen. Die Flachrohre sind meist teurer und sind für die Installation im Estrich. Aktuell tendieren wir zu einer Anlage von der Firma ZEHNDER (hoffe die namentliche Erwähnung ist ok. ) Unsere Baufirma hat sich geweigert die Rundrohre in der Betondecke zu verlegen. Wenn Rundrohre in der Betondecke verlegt werden, muss der Verlegungsweg vorher mit dem Statiker abgesprochen werden. Dieser wird dann eine dickere Decke einplanen und es muss eigentlich extra stahl an den Rohren verlegt werden, da diese sonst ähnlich einer Sollbruchstelle fungieren. Habe bei uns alle Klima & Lüftungsfirmen in den Gelbenseiten angerufen. Die meisten „Seriösen“ Handwerksbetriebe haben mir bestätigt, dass sie in 90% der Fälle die Flachrohre im Estrich verbauen. Das hat zwei Gründe:

    1) Sie werden oft erst beauftrag, wenn die Betondecke schon vergossen ist (also zu spät).
    2) Der Statiker macht nicht mit und erlaubt es nicht.

    Auf unsere Anlage von ZEHNDER gerechnet, würden wir fast ~1.200€ mehr bezahlen, weil wir jetzt die Flachrohre nehmen müssen (sind halt teurer, warm weiß ich nicht). Das hat uns im Nachhinein sehr geärgert, denn der höhere Estrichaufbau kostet auch ~360€. Scheinbar haben wir viel Geld vergeudet weil wir nicht gut bzw. rechtzeitig geplant haben. Das stimmt aber nicht ganz. Die Dickere Betondecke und das + an Stahl gibt es auch nicht für umsonst. Es rechnet sich nicht so gut wie man meint. Will man jetzt auch noch eine ebenerdig geflieste Dusche, benötigt man ohnehin einen höheren Estrich. Dennoch würde ich heute lieber die Rohre in der Betondecke verlegen… der Zug ist aber für mich leider abgefahren. Rohr ist nicht gleich Rohr. Bei den Flachrohsystemen gibt es gewaltige Unterscheide. Eine Lüftungsanlage wird in den meisten Fällen von den Hersteller Firmen selbst geplant und dimensioniert. Die Fa. ZEHNDERE plant z.B. bei dem Flachrohrsystem Revisionsklappen ein und hat eine ganz andere Luftverteilung als bspw. die Fa. WOLF. Bei der Fa. WOLF werden alle Rohre zu einem zentralen Punkt / Verteiler geführt. Bei ZEHNDER gibt es eine Art von mehreren dezentalen Verteiler, die über Revisionklappen zugänglich sein müssen. Damit wedren nicht alle Rohre an die Anlage geführt!!! Obwohl alle beide ähnliche Flachrohre verwenden. Also wenn ich eine Lüftungsanlage vorsehe und die Rohre schon in der Decke verlege, muss bzw. sollte ich mich schon für ein System und einen Hersteller entschieden haben. Ansonsten kann es schnell zu Inkompatibilitäten du Schwierigkeiten kommen. Die Planungshilfe von HELIOS gibt es auch bei ZEHNDER und WOLF. Arbeiten alle nach dem gleichen Prinzip. Habe nun alle drei ausprobiert und schätze fast das da die selbe Software im Hintergrund arbeitet.

    Zum Thema Bodenauslässe, habe ich mich jetzt FÜR diese entschieden. Wir werden eine Quelllüftung aufbauen. Da wir in dem OG zum Teil Emporen haben und keine geschlossene Decke. Wir wollen keine Installationswände (hohle Rigipswände), denn das ärgert uns maßlos!!! Der Architekt plant die Wände, den Grundriss und alle ist scheinbar perfekt. Dann kommen die Installateure und machen alles Aufputz… ist ja kein Problem. Kann man alles mir Trockenbau verkleiden. Aber das macht in Summe keinen Unterschied. Der Trockenbau ist am Ende genauso teuer als würde ich es gleich in doe Wand stemmen (Poroton macht es möglich) Mich würde interessieren, warum du von Bodenauslässen Abstand nehmen würdest?

    Gr.
    Big Boss

    Antworten
    1. comment by losmuchachos
      admin

      Hallo Big Boss,

      Stimmt. Der Statiker muss befragt werden. Das klingt recht aufwändig, allerdings werden Fertigdecken ohnehin von der Deckenfirma statisch kontrolliert In meinem Fall war das nur ein Anruf beim Deckenhersteller und der Statiker hat sich das angesehen und sein ok gegeben und das wars. Ich hab mal im Netz gelesen, dass man nicht viele Rohr nebeneinander legen soll, sondern in Abständen, was vernünftig klingt.

      Ich glaube auch, dass der Hauptgrund der ist, dass in der ersten Rohbauphase kein Mensch überlegt wo mal die Installationen hin sollen. Ein Problem, das sich durch eine ganze Baustelle zieht, dass ein Gewerk nur an das eigene denkt. Baufirmen arbeiten nach dem Motto „die Installationen kriegt der Installateur schon irgendwo rein“ usw. Und ein Architekt macht sich leider dazu auch selten Gedanken. Insofern hast du recht wenn du sagst der Architekt hat alles perfekt geplant und dann soll irgendwo ein Schacht rein. Man kann sich aber auch fragen ob der Architekt dann wirklich alles perfekt geplant hat…. Der Installateur / Lüftungsfirma steht also vor dem Problem alles irgendwo reinzaubern zu müssen und dann ergeben sich „Bastellösungen“ wie Leichtbauschächte, abgehängte Decken, wo man sie gar nicht gewollt hätte usw. Hier alles rechtzeitig zu koordinieren ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Meistens werden dann riesen Deckenaufbauten reingetan wo halt alles irgendwie Platz hat. Aber auch das kostet Platz und Geld. Ich halte es also nach wie vor für die beste Variante in der Decke mitzubetonieren. Die Deckenfirma wird halt gefragt ob das ok ist und im schlimmsten Fall betoniert man 2 cm mehr. Extra Eisen hab ich nirgends gebraucht. Dass wahrschinlich 90% der Bauherren daran noch nicht denken und auch nicht darauf aufmerksam gemacht werden ist eine andere Sache.

      Die Rohre mit rechteckigem Querschnitt sind platzsparend, lassen sich aber viel schwieriger reinigen, sind wesentlich teurer und stömungstechnisch auch von Nachteil. (mehr Oberfläche = mehr Reibung = mehr Energieverlust). Schön, dass es sie gibt, weil wenn kein Plaz da ist könenn sie die Rettung sein, warum aber in Fertighäusern in denen eine KWL fix eingeplant ist rechteckige Rohre verlegt werden, kann mir keiner schlüssig erklären, das ist einfach Planungsfaulheit zugunsten eines teureren und schlechteren Systems.

      Die Sache mit den dezentralen Verteilern ist interessant, weil ich dachte die macht keiner mehr. Die ganze Sache hat sich ja aus dem Industrie/Gewerbebereich entwickelt und ganz am Anfang gab es überhaupt nur einen fetten Lüftungsstrang, mit Ventilauslässen oder bestenfalls kurzen Rohren mit Ventil. Hauptproblem ist die Akustik. Man verteilt damit den Schall von einem Raum zum nächsten. Ist aber sicher auch in den Griff zu kriegen. Wie du ja selber schreibst ist die Reinigung ein riesen Problem. Revisionsöffnungen sind sicher eine Lösung, aber sie kosten, müssen geplant werden, müssen dann irgendwo zugänglich bleiben usw. Ich halte also den zentralen Verteilerkasten für die einzige Zukunft.

      Bodenauslässe: Die zugeführte Luft ist kälter, somit wäre es verteilungstechnisch besser sie möglichst weit oben in den Raum zu bringen. Eine Fußbodenheizung entschärft das Problem natürlich. Die nächste Frage ist, wo anbringen. Einen rechteckigen Raum mit Tür in dem einen Eck. Der Luftauslass sollte nicht gerade neben der Tür sein, sondern ein wenig entfernt, nur wo im Raum kannst du sicher sein, dass du nichts hinstellen willst. Eine interessante Variante hab ich mal bei einem Freund gesehen, der hat einen Luftauslass im Schlafzimmer unter dem Bett. Interessante Variante, aber ein Sonderfall. Weiteres Problem ist die Verschmutzung.

      Lüftungsfirmen empfehlen Luftauslässe möglichst weit oben anzubringen, der Bodenauslass ist halt das Gegenteil davon 😉 Am wenigsten verstehe ich aber deine Aussage der Bodenauslass sei am billigsten. Einen ordentlichen Bodenauslasskasten mit Schmutzfang und einem schönen Nirorost stelle ich mir nicht grad billig vor. Ein Ventil für Wand/Decke kostet 12 Euro. Ich nehme an du meinst Installationskosten, weil du ja die Rohre im Bodenaufbau hast. In der Decke einbetoniert ist ein Deckenauslass genauso schnell gemacht, aber gut das ist zu spät. Er ist mal schnell installiert, aber dann muss die Trittschalldämmung ausgeschnitten werden, der Estrichmacher aufpassen, die Höhe genau eingerichtet sein, der Bodenleger rundherumarbeiten… Auch ein gewisser Aufwand.

      Im Prinzip gibt es Produkte mit denen man fast jedes Problem irgendwie lösen kann. Das ist auch gut so. Trotzdem meine ich je früher man an alles denkt (und das macht man am besten als Bauherr selber) desto einfach lassen sich gewisse Dinge durchführen.

      lg

      el muchacho

      Antworten
  4. Big Boss

    Hola el Muchacho,

    im Grunde sind wir auf derselben Wellenlänge. Eine frühzeitige und umfassende Planung die alle Gewerke und Ihre Besonderheiten berücksichtigt spart am Ende sehr viel Geld, da sich oft kostenoptimierte Lösungen realisieren lassen. Das bedeutet nur, dass man mit dem eigentlichen Bauen etwas später anfängt, weil man mehr Zeit in die Planung investieren muss. Da ich kein Lüftungsbauen bin kann ich das mit den Strömungseigenschaften von „eckigen“ Rohren nur vermuten (klingt aber irgendwie logisch). Das Bodenauslässe günstiger sind, bezog sich wirklich nur auf die reine Installation. Wenn der Monteur die Leitungen in der EG Decke legt, hat er die Möglichkeit mit kurzen Leitungswegen alle Räume in beiden Stockwerken zu erreichen. Im EG kommen die Aus und Einlässe aus der Decke. Im OG halt aus dem Boden. Es muss nix in die Wände gestemmt werden. Vom Aufwand und den Wegen eine schnelle Sache. Natürlich auf Kosten der darauffolgenden Gewerke (Bodenbeläge, Estrich etc.). Die 100% Vorteilhaftigkeit der von dir beschriebenen Variante (Alle Rohrleitungen führen zum Lüftungsgerät. Ohne Revisionsöffnungen) kann ich nicht bestätigen. Wir haben einen HWR der als Anbei neben dem Gebäudekörper steht. Da unsere Rohre nicht im Beton sondern im Estrich sind, haben wir ein Angebot von einer Firma bekommen, die, wenn sie alle Leitungen zum Lüftungsgerät ziehen, unsere Decke auf 2,5m aufschlitzen wollen. Das macht der Statiker aber nicht mit. In so einem Fall sind die dezentralen Verteiler, wie die von ZEHNDER die bessere Lösung. Mit dem Nachteil, dass ich die Revisionsöffnungen unter den Betten einplanen muss um immer wieder an dieser heranzukommen.

    Wenn man sich die Lüftungsarten ansieht, ist die Quelllüftung (Auslass in Bodennähe) und Absaugung in Deckennähe die effektivste und beste Lüftungsart (zumindest für unser vorhaben). Wir haben eine Fußbodenheizung in allen Räumen und keine Heizluft. Die frische Außenluft hat trotz WRG ~3°C weniger und bildet damit einen Kaltluftsee… leider finde ich jetzt die Links nicht mehr die ich diesbezüglich konsultiert habe. Aber da wir viele bodentiefe Fenster haben, kommen die Ein und Auslässe im OG vor die Fenster. Damit haben wir dann auch kein Problem mit Schränken (man stellt ja keinen Schrank vor das Fenster )
    Durch die Luftfeutigkeits- und Temperaturunterschiede kommt es ohnehin zu einer Thermodynamischen Verwirbelung. Ich denke das es keine 100% Lösung aber auch kein Bockschuss sein wird. So oder so kommen wir schon noch zum Effekt der frischen Luft *hoffnung*

    In ein paar Jahren werde ich schlauer sein 

    Gr.
    Big Boss

    Antworten
    1. comment by losmuchachos
      admin

      Ich glaub auch, dass wir das selbe meinen und einfach jede Baustelle anders ist. Nachdem wir uns wahrscheinlich mehr Gedanken machen, als 99% der Bauherren und ich schon irre gebaute Anlagen gesehen hab, die auch funktionieren bin ich guter Dinge, dass wir hier in 2 Jahren von unseren genialen Anlagen schwärmen 😉

      lgm

      Antworten
    1. comment by losmuchachos
      admin

      @andreas: zb bei maico. schreib die mal an, wenn du das glück hast 90er rohre überall unterzubringen. sonst sind die 75er rohre im einfamilienhausbereich sicher auch eine vernünftige lösung.

      Antworten
  5. Andreas

    Hallo

    Wir wohnen seit einigen Jahren in einem HANLO-Bravo-Fertigteilhaus mti ca. 125m² Wohnfläche verteilt auf 2 Ebenen.
    Die Kinderzimmer sind meiner Meinung jedoch zu klein dimensioniert.

    Vor allem im ersten Jahr haben wir die Feuchtigkeitsproblematik massiv unterschätzt, insbesondere im Wintergarten, wo wir Schimmelbefall hatten.

    Kann man auch nachträglichen kontrollierte Wohnraumlüftung(en) einbauen?

    Wenn ja, in welchem Bereich liegen die Kosten?

    Antworten
    1. comment by losmuchachos
      admin

      Schwierig zu beantworten. Ich würde sagen eine zentrale KWL ist fast etwas aufwändig. Eventuell wäre eine Lüftung durch die Aussenwand für den Wintergarten ein Alternative. Haben nicht so gute Wärmerückgewinnung und kosten für einen Raum ganz schön Geld, aber wären eine Lösung. google mal unter „dezentrale Wohnraumlüftung“

      lgm

      Antworten
  6. sebastian

    Hallo,
    Ich baue gerade ein Holzrahmenbau als Kfw 70mit KWL der Fa.Wolf.
    Macht es Sinn einen Kaminofen einzubauen ?.Ich denke das es immer schnell zu warm wird oder?
    Gruss

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