Carport

Immer schon wollte ich so ein schickes Carport. Kein Eiskratzen, kein Schneeschaufeln. Bei unserem Haus wäre damit auch gleich der Zugang zum Haus geschützt, damit weniger Schmutz und Schnee im Haus usw.

Klar war: alles in Eigenleistung, Material Holz uns als Dach etwas Ordentliches. Ordentlich heisst für mich vor allem kein Flachdach. Ein Flachdach ist kein Dach. Wenigstens kein ordentliches.

Die Konstruktion ist eher einfach gehalten. Eine Seite an die Hauswand gestellt, die andere Seite an der Grundstücksgrenze. Weil Haus und Grenze nicht parallel verlaufen ist das Carport zwischen 4,60 und 4,20 Meter breit und etwa 6 Meter lang.
An der Hauswand hab ich das ganze mehrfach befestigt. 1. liegt der Querträger auf 2 Holzständern. Diese stehen am Betonboden, sind aber auch mehrfach mit der Wand verschraubt. 2. ist der Querträger auch mehrfach an die Wand geschraubt. Nachdem ich meine Wand kenne und weiss, dass man da einfachen Schrauben nicht trauen sollte hab ich dann auch noch zwei 20mm Gewindestangen durch die gesamte Aussenwand geschoben und von innen verschraubt. Statisch rechnen kann ich das ganze nicht, aber die Sache macht einen recht massiven Eindruck auf mich.Holzträger an der Hauswand

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Der Grund für die Vorsicht ist, dass so ein Carport ganz schön schwer wird. Ich habe ca. 25m2 Fläche. Das Holz für die Kontruktion hat ca. 400-500 kg. Das Dach (Bramac Betondach) hat satte 52km pro m2, macht also noch mal so 1400kg. Dann muss man noch mt 100kg Schneedruck in unserer Gegend rechnen. Macht also noch mal bis zu 3000kg. Das Carport kann also voll beschneit ordentliche 5.000 kg auf die Waage bringen. Da investiert man gern ein Schräubchen mehr.

Der Querbalken auf der anderen Seite (Grundstücksgrenze) steht auf 3 Ständern. Die Ständer auf jeweils kleinen Punktfundamenten. Die Fundamente müssen das Gewicht des Carports auf den Boden bringen. Ich habe recht kompakten Lehmboden. Bei solchen Böden hat man ein Tragfähigkeit von 2 – 8 kg/cm2. Ein 30 x 30cm Fundament hält also bereits mindestens 1800kg. Nach Gefühl dimensionierte Fundamente sind also meist völlig sinnlos überdimensioniert. Bei kleinen Fundamenten (und Lehmboden!) empfehle ich den Einsatz eines Erdbohrers. Wie der Zufall so will, hab ich so was vom meinem Brunnenbauprojekt im Keller stehen. Man erreicht damit ganz leicht frostfeste Tiefe, hat kaum Aushub und braucht kaum Beton. Wenn man mit einer Schaufel ein 80cm tiefes Loch gräbt entsteht nur ein riesen Krater. An der Erdoberfläche hab ich dann noch eine kleine Schalung gemacht um etwas über Bodenniveau hochzukommen. In den Beton hab ich eine 2cm starke Gewindestange einbetoniert. Die Steher haben unten ein Loch. Darin fädle ich die Gewindestange ein. Stehen tut das ganze dann auf einer großen, massiven Beilagscheibe und 2 Muttern. Mit dieser Technik gewinne ich wieder etwas Abstand zum Boden. Dieser Abstand ist besonders wichtig, weil Holz in Bodennähe durch Spritzwasser und Schlagregen deutlich schneller kaputt wird. Ausserdem sieht es optisch viel besser aus, als die eigenartigen Metalldinger die es da zu kaufen gibt und die man seitlich an den balken schauben muss. Und es ist sogar mit der Mutter noch höhenverstellbar. Man hört vielleicht auch raus, dass ich auf die Konstruktion echt stolz bin 😉

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Oben drüber kommen Holzbalken, deren Stärke man sich auch mit meinem Statistiktool ausrechnen kann. Ich habe 10x10cm Leimbinder genommen. Statisch ist das natürlich völliger Blödsinn. Man sollte seine Träger deutlich höher als breit machen. Ich hab nur die Leimbinder von einem Freund zu einem so sensationellen Preis bekommen, dass normale Holzbalken vom Sägewerk teurer gewesen wären. Wo immer möglich habe ich versucht keine sichtbaren Eisenwinkel etc. zu verwenden. Die Dinge sehen aus wie das krasse Elend. Man findet auch als Laie, der keine tollen Zapftechniken beherrscht fast immer eine Lösung, wie man das ganze auch schön hinbekommt.

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Die fertige Konstruktion was auf der Grundstücksgrenze parallel zur Hauswand etwas wackelig. Natürlich habe ich 2 kleine Diagonalstreben zwischen den Stehern angebracht, aber das hat einfach nicht gereicht. Jetzt kommt Superkniff Nr. 2. Ich habe aus optischen Gründen unter der Dachdeckung eine Holzlattung angebracht. (Dachziegel von unten sehen einfach übel aus) Diese Lattung habe ich nicht wie üblich, sondern im 45° Winkel angebracht. Ist etwas mehr Arbeit, sieht aber eigentlich cool aus und verleiht unglaubliche Stabilität. Jetzt kann man rütteln und zerren, was das Zeug hält und es hält !

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Darauf kommt noch ein Bramac Betondach, eine Kupferdachrinne und wie der Zufall so will kommt grad mal der ortsansässige Bagger vorbei und gräbt mir einen Sickerschacht, in den ich einfach ein Darainagerohr versenke. Die Dachlattung verlege ich einfach nicht ganz parallel, weil mein Dach ja kein Rechteck ist, sondern immer kürzer wird. Die Dachsteine überlappen also an einem Ende des Daches stärker als am anderen. Im Endeffekt erkennt man beim fertigen Dach gar nichts davon. Andere Planungen wie die Steine abschneiden etc. wären also völliger Mist gewesen. Ein Paar cm kann man so locker schummeln.

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Alles in allem eine super Sache so ein Carport. Noch ein paar Lampen mit Bewegungsmelder montiert und schon kommt man trockenen Fußes ins Haus. Mittlerweile bietet das Carport zwar mehr Unterstand für Kinderwagen, Fahrräder, Anhänger, Mischmaschine usw. usw. aber vielleicht verlängere ich ja mal um ein paar Meter…


  1. MB

    Hallo,

    ich rechne gerade eine überdachte Terrasse mit Ihren tollen Programmen.
    Wenn ich mir nun aber Ihren Carport ansehe, verwenden Sie viel schwächere Balken, als mir das Programm auswirft. Vor allem der äußere Auflagebalken für die Dachstreben, der auf den 3 Stützen ruht, ist viel grazieler als mein kalkulierter.

    Welche Maße haben die Bauteile des Carports?

    Ist der Balken graziler, weil die Abstrebungen zwischen Balken und Stützen eine statische Wirkung haben (z.B. freitragender Bereich nur zwischen den Abstrebungen gerechnet?).

    Vielen Dank.
    Gruss MB

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    1. comment by losmuchachos
      admin

      Hallo MB,

      der Beitrag ist schon einige Jahre online und du bist der erste der das merkt 😉 Gratuliere. Bei der Pfette mit den 3 Stützen hast du recht. Der Rest sollte passen. Ich hatte nur die 10×10 Leimbinder und wollte einen solchen auch verwenden. Weiters wollte ich den Balken von der Optik filigran halten, daher hab ich nicht 2 übereinander gelegt. Ich hab auf einem Trägerteil 2,5 lichte Weite und mindestens 700kg Gewicht. Müßte ich ca. einen 10×15 Träger verwenden (ohne Schneedruck). Also habe ich mir mit den Diagonalen Abstrebungen etwas geholfen (nach Gefühl). Im Prinzip muss ich bei größeren Schneelagen abschaufeln. Gemacht hab ich das noch nie und die Balken biegen sich keinen Zentimeter. Hab ich anfangs etwas beobachtet. Man sieht mal wieder, dass die Berechnungstools sicher deutlich auf der sicheren Seite liegen, aber so soll es ja auch sein.

      Neben den tollen Formeln hat mir meine Lieblingsstatikerin aber auch eine ganz tolle Fausregel verraten. Nämlich. „Was so aussieht als würde es halten, hält auch.“

      Alles Gute für dein Projekt

      Marcus

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