Betonieren im Winter

Die kalten Tage kommen und so mancher Rohbau ist doch nicht so weit wie man noch im Herbst gedacht hätte. Was tun ? Bauen im Winter hat jede Menge Nachteile und nur einen Vorteil. Der Vorteil ist, dass Firmen plötzlich Zeit haben. Man kann sich aussuchen an welchem Tag wieviel Mann auf der Baustelle stehen und wartet nicht mehr monatelang auf einen Termin des Baumeisters und so mancher Maurer, der im Winter arbeitslos ist soll auch schon mal in seiner Freizeit aushelfen….

Im Prinzip gilt die Regel, dass heute dank moderner Baustoffchemie praktisch alles möglich ist. Baufirmen können heute bei prinzipiell jedem Wetter jede Arbeit durchführen. Eine Baufirma wird immer froh sein „Winterarbeit“ zu haben. Ob sich der Aufwand aber auch lohnt ist fraglich und muss vom Bauherren kritisch beurteilt werden. Ich möchte hier aber eher aufs Heimwerken eingehen. Was kann und sollte der „Selbermacher“ noch im Winter tun und was sollte er auf wärmere Tage verschieben.

Natürlich gibt es jede Menge Arbeiten die mal gar kein Problem darstellen. Darunter fällt im Prinzip mal jede Arbeit zu der man kein Wasser braucht. Am spannendsten wird es aber Betonarbeiten. Für Maurerarbeiten gilt prinzipiell das selbe.

Das Problem ist, dass der Beton eine gewisse Festgkeit erreicht haben muss, bevor er friert. Ist er mal hart genug, dann kann kommen was will, friert er vorher wird unter Umständen sogar das gesamte Bauteil unbrauchbar. Wie schnell er diese Härte erreicht hängt einerseits von den Temperaturen ab, andererseits von der Betongüte. Auf der ganz sicheren Seite ist man mit 7 Tagen. Sollte man den Beton liefern lassen, so kann man mit dem Betonwerk reden. Es gibt eine Menge von Maßnahmen (Beton vorwärmen, schnellerer Zement oder auch Frostschutz) der diese Zeitspanne auf unter 2 Tage senkt und den Beton auch frostbeständig macht. Bei „Selbermischen“ ist das natürlich schwieriger abzuschätzen. Unter 5° sollte immer das Wasser zum Mischen vorgewärmt werden, was in der Praxis aber etwas unpraktisch ist. Weiters sollte der Beton eher trocken angemischt werden. Frostschutz kann man theoretisch auch einsetzen, die Dosierung ist aber bei Mischmaschinenbetrieb eine mühsame Sache. Ich hab mir das bis jetzt erspart und habs auch nicht vor. Wichtigste Maßnahme ist aber der Einsatz eines schnell härtenden Zements. Man erkennt das an der Festigkeitsklasse im Namen. Meistens wir hier 32.5 eingesetzt. Es gibt aber auch 42.5 und sogar 52.5. Ein höherer Wert bedeutet, dass der Beton einerseits schneller die nötige Festigkeit erreicht um als frostfest zu gelten, andererseits aber auch durch die schnellere Erhärtung mehr Eigenwärme bildet und so das Ganze zusätzlich wärmt.

Im Gegensatz zum Sommer, wo man sein „Betonwerk“ möglichst lange feucht halten sollte und es sogar regelmäßig nass gemacht wird sollte man im Winer von solchen Aktionen absehen. Das Problem der vorzeitigen Austrocknung gibt es unter 10° praktisch nicht. Man sollte also eher alles trocken halten. Die Schalung kann man praktisch nicht lange genug oben lassen. Es gibt Formeln, ab wann man ausschalen darf. Bei kalten Temperaturen kann das auf gut 6 Wochen ansteigen. Natürlich eine Vorsictsmaßnahme, die kaum eine Baufirma einhält. Normalerweise wird nach 3 Wochen ausgeschalt, ausser es war wirklich sehr kalt in dieser Zeit.

Beton erzeugt beim Härten eine gewisse Eigenwärme. Sollte es in der Nacht mal -5° bekommen, so ist das meist unproblematisch. Abdecken kann hier helfen die produzierte Eigenwärme noch besser zu halten. Minusgrade in der Nacht sind also meist kein Grund zur Panik. Anhaltender starker Frost über Tage aber sehr wohl.

Fürs Mauern gilt ähnliches. Im Innenbereich kann man auch im nicht beheizten Haus meist lange mauern. Durchfrieren tut so ein Haus nämlich lange nicht bis nie. Im Außenbereich wäre ich vorsichtig. Ich bin auch nicht sicher ob man es merkt wenn Mörtel gefroren ist. Man hat dann also minderwertiges Mauerwerk nur um ein paar Tage zu sparen.

Im Prinzip kann man also den ganzen Winter durch bauen. Ob sich der Aufwand lohnt muss man aber sehr genau abschätzen. Betonieren bei -5° ist nämlich nicht sehr lustig. Baufirmen würde ich unter solchen Bedingungen keinesfalls mehr engagieren. Die Arbeit dauert doppelt so lange und günstigere Preise bekommt man meist trotzdem keine. Bauen wird so auf jeden Fall aufwändiger, länger und teurer.


  1. yo mayer

    Danke, sehr klar erläutert 😀

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