Renovieren oder Wegreissen

Erbschaft, billiger Kauf oder sonst ein glücklicher Zufall lässt einen Besitzer eines alten Hauses werden. Jetzt stellt sich oft die Frage ob es sich lohnt hier noch zu renovieren, oder ob es besser ist das ganze gleich abzureissen und neu zu bauen. Antwort kannst du dir hier natürlich keine erwarten, weil die Antwort auf diese Frage natürlich individuell ist, ich möchte aber trotzdem versuchen eine Entscheidungshilfe zu bieten. Vorwegschicken möchte ich, dass ich nicht auf der Seite derer stehe die alles abreissen. Ich habe 2 Häuser renoviert, eines recht ordentlich über Jahre, eines komplett wie einen Neubau. In beiden Fällen gab es jede Menge Leute die dringend zum Abriss geraten haben und in beiden Fällen haben diese Menschen nachträglich betrachtet unrecht gehabt. Also zuerst mal zu den

Vorteile des Sanierens

  • Ein altes Häuschen kostet oft nichts. Man zahlt häufig nur den Grundpreis.
  • Alte Häuser sind oft in Lagen zu haben, in denen es vielfach kaum mehr Grundstücke zu kaufen gibt, so dass man ohnehin ein Haus kaufen muss.
  • Bei Eigenleistung ist Sanieren deutlich billiger (mehr dazu später)
  • Man hat häufig schon einen schönen Garten mit alten Bäumen und lebt in einer netten alten gewachsenen Siedlung statt in einem seelenlosen Neubau-Fertighausghetto.
  • Man kann sehr viel selber machen
  • Man kann ev. auch schon im Haus wohnen und parallel sanieren
  • Mit alten schweren Wänden und moderner Wärmeisolierung ist oft ein viel besseres Raumklima zu erzielen, als mit modernem Leichtbau
  • Man kann fast alles auf einen aktuellen Stand sanieren.
  • Man nützt altes Material, man muss nicht alles wegwerfen. Sanieren ist umweltschonend.

Nachteile des Sanierens

  • Will man gar keine Eigenleistung bringen ist Sanieren häufig nicht billiger, oder zumindest ist der Kostenfaktor sehr schwer abzuschätzen.
  • Gewisse sehr alte Bauwerke (alte Steinwände etc.) lassen sich nicht auf einen modernen Standard sanieren.
  • Sanieren ist mitunter deutlich zeitaufwändiger als Neubauen.
  • Manche Bauten sind mit Schadstoffen belastet, die saniert werden müssen. (Hier sind vor allem die 70er Jahre gefährlich)

Bausubstanz in Ordnung

gerne hört man „wir haben ein Haus gekauft, Bausubstanz ist in Ordnung“. Keiner weiss aber was damit eigentlich gemeint ist. Ich kenne kaum ein Haus, bei dem die Bausubstanz nicht in Ordnung wäre. Sind feuchte Mauern ein Grund, dass die Bausubstanz nicht in Ordnung ist ? Bei Häusern im Flachen aus den 60ern muss man aber nur mit dem Bagger rundherum baggern, isolieren und zuschütten und man hat ein 100% trockenes Haus. Bei Neubauten am Hang mit drückendem Wasser bekommt man aber selbst viele Neubauten heute nicht trocken. Den Spruch „Bausubstanz ist in Ordnung“ würde ich also eher wenig ernst nehmen. Einzig bei sehr alten Häusern (100 Jahre und mehr) muss man davon ausgehen, dass die Bausubstanz nicht mehr so saniert werden kann, dass man ein heute übliches Wohngefühl erreicht. Das heisst nicht, dass die Bausubstanz nicht in Ordnung wäre, sondern, dass damals einfach so gebaut wurde. Vorsichtig muss man zweifellos auch mit alten Holzhäusern sein (Fachwerk etc.), die gibt es aber in Österreich kaum, und somit hab ich auch keine Erfahrung damit.

Kosten für Sanierung

Über eine Sanierung werden sich häufig nur Leute trauen, die ohnehin geschickte Handwerker sind, oder diese in der Familie haben und mit Eigenleistung lassen sich die Kosten einer Sanierung minimieren. Ganz gute Anhaltspunkte um die Kosten einer Sanierung abschätzen zu können bietet der Beitrag „Sanierungskosten abschätzen“ auf dem Immoblog. Man kann ganz pauschal sagen, dass wenn man bereit ist selber zu arbeiten, oder wenigstens gratis oder günstige Arbeitskräfte besorgt, dann kann man mit Sanieren richtig Geld sparen. Wenn man an eine Firma vergeben möchte, die 60 Euro für eine Arbeitskraft pro Stunde verrechnet, dann kann Sanieren ein Fass ohne Boden werden.

Fazit

Sanieren ermöglicht oft einzigartige Lagen, günstige Immobilien und wirklich billiges Bauen. Ob und in welchem Umfang eine Sanierung sinnvoll ist lässt sich natürlich nur von Fall zu Fall entscheiden, man kann aber schon ganz Allgemein sagen, dass eine Sanierung mit Eigenleistung eine sehr gute Gelegenheit sein kann. Ohne Eigenleistung sind umfangreiche Sanierungen eher ein Risiko. Damit sind größere Sanierungen gemeint als Vollwärmeschutz aufkleben, Fenster wechseln und ausmalen.


  1. Stefano

    Also ich würde heutzutage glaube ich eher zum abreissen statt sanieren tendieren, einfach aus dem Grund, dass bei einer Sanierung oftmals hinten raus noch derartig viele Kosten auf einen zukommen, dass das durchaus ein ganz ganz tiefes Loch werden kann. Die Sache mit der Eigenleistung hast du ja zudem auch schon angesprochen.

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  2. Steffi

    Ich bin da auch eher fürs Abreißen und neu bauen. Klar, man kann sicher viel erreichen, aber kann man aus einem Altbau in mittelmäßigem Zustand etwas wie ein Passiv- oder zumindest Niedrigenergiehaus zaubern? Da wäre ein Neubau sicher billiger, zumal die dafür notwendigen Kenntnisse sicher auch wenige haben, sodass der Eigenanteil bei einer Sanierung sehr gering ausfallen würde.
    Aber wie du ja schon anmerktest, eine universelle Antwort gibt es dafür nicht, dass muss jeder für sich und je nach Fall entscheiden.

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