Energieausweis als Minihauskiller

Es gibt einen Wert, der heute beim Bauen sehr (und vielleicht vielzu) wichtig genommen wird. Es ist die Energiekennzahl. Es ist die Zahl, die entscheidet ob man überhaupt bauen darf, wieviel Förderung man bekommt, die am Energieausweis dick unterstrichen ist usw. Im Prinzip sagt die Zahl aus wieviele Kilowattstunden Energie man pro m2 Wohnfläche in einem Jahr benötigt um ein Haus zu beheizen. Wie sieht es da beim Microhome aus?

Energieausweis

Energiekennzahl, Energieausweis und Berechnungsverfahren sind ein langwieriges Thema, das hier nicht aufgearbeitet werden kann und soll. Alles in allem halte ich viel vom Energieausweis und halte den Berechnungsmodus (in Österreich) für einen recht guten Kompromiss. Für Minihäuser sieht es aber in diesem Schema nicht sehr gut aus.

Heute muss man bereits Niedrigenergiehäuser bauen um überhaupt bauen zu dürfen. Passivhäuser sind was Alltägliches und in Österreich wird sogar diskutiert ob man überhaupt Wohnbauförderung erhalten soll, wenn man kein Passivhaus baut. Passivhausstandard bedeutet derzeit, dass man eine Energiekennzahl von 10 oder darunter hat. Minihäuser sind aber weit davon entfernt. Da werben Häuser damit als erstes eine Energiekennzahl von 37 zu erreichen, ein Wert den heute kaum ein Neubau mehr hat. Warum ist das so?

Wohnfläche zu Aussenfläche

Wärme verliert man über Aussenfläche. Verlorene Wärme wird aber in der Energiekennzahl auf die Wohnfläche verteilt. Eine gute Energiekennzahl erreicht man also mit viel Wohnfläche und möglichst wenig Aussenfläche. Darum sehen auch Passivhäuser alle wie Würfel aus. Minihäuser haben hier das Problem extrem schlecht zu liegen. Dies ist  ein geometrisches Problem, an dem keiner so schnell was ändern kann. Verdeutlichen kann man es mit einem einfachen Beispiel.

Haus 1: (microhome)
8 x 5 Metern, 3 m hoch.
Wohnfläche 40m2. (Wandstärke der Einfachheit halber nicht berücksichtigt!)
Aussenfläche insgesamt ergibt 158 m2.

Auf einen m2 Wohnfläche kommen also fast 4 m2 Aussenfläche über die Wärme abgegeben wird.

Haus 2: (EFH)
12 x 7.5 Meter, 6 m hoch (2 Geschosse)
Wohnfläche 180m2

Aussenfläche: 414m2
Hier kommt auf einen m2 Wohnfläche also gerade mal 2,3m2 Aussenfläche. (Also fast die Hälfte)

Allein auf Grund dieser Tatsache ist es mehr oder weniger unmöglich ist ein Passiv-Microhome zu bauen. Natürlich wirkt es sich zusätzlich negativ aus, dass Microhomebauer keine 50cm dicken Wände wollen, weil das Aussenmasse und Kosten steigern würde. So wird man bei 12 cm Wandstärke keine Wunder bzgl. U-Wert erwarten dürfen. Alles in allem wird man bei einem Microhome mit einem Energiewert irgendwo zwischen 35 und 65 konfrontiert sein. Bei höheren Werten wird man keine Baugenehmigung erhalten, wenn man sie als Wohnhaus deklariert.

Wo bleibt der Umweltschutz

Nun ist es aber ein ganz wesentlicher Bestandteil des Microhomefeelings, dass man Ressourcen schont und umweltfreundlich zu sein glaubt. Aber kann man das mit solchen Energiewerten?

Eigentlich müßte man ja folgende Rechnung anstellen: Wieviel Energie verschwende ich um es im Winter warm zu haben. Das sieht man ganz einfach an seiner Heizrechnung, aber bleiben wir bei unseren 2 Beispielhäusern.

Haus 1: (microhome)

Angenommen das Haus 1 hat eine Energiekennzahl von 45. Der Energieverbrauch sollte somit 45 x 40 (m2) sein = 1.800 kWh. Mit Strom geheizt würde das  also 270 Euro ausmachen, mit Gas grob 90 Euro.

Haus 2: (EFH)

Haus 2 befindet sich am Stand der Technik und wird als Niedrigstenergiehaus mit KWL etc. errichtet. Energiekennzahl 20. Energieverbrauch ist Energiekennzahl x WFl. = 20 x 180 = 3.600 kWh. Also genau das Doppelte.

Man verbraucht also in dem Top energieeffizienten Haus doppelt soviel Heizenergie wie im Microhome mit relativ schlechter Energiekennzahl. Argumetieren könnte man das ganze noch damit, dass im EFH vielleicht eine 4 köpfige Familie unterkommt, im Microhome aber nur ein Single. Ich wage zwar zu behaupten, dass im Lebenszyklus eines EFH durchschnittlich nicht mehr als 2 Personen drin wohnen aber egal, das Argument gilt grundsätzlich.

Was man aber dann ins Rennen führen kann ist der Energieverbrauch bzw. die Ressourcen die im Bau stecken. Die Energie die in Haus 2 steckt ist enorm. Das kann man in 3 Generationen nicht wettmachen. Das Microhome dagegen ist mit minimalem Materialaufwand produziert. Ein m2 moderner Wohnfläche produziert etwa 1.500kWh Aufwand beim Bau. Also ca. den Aufwand mit dem man das Microhome ein Jahr lang beheizen kann. Nachdem das EFH 140m2 mehr Wohnfläche hat könnte man also alleine mit dem Erzeugungsaufwand an Primärenergie das Minihaus ganze 140 Jahre lang heizen.

minimales Minihaus (origamidon / flickr)

Microhomes sind also Ressourcenschoner. Energiekennzahlen kann man hier getrost beiseite schieben. Trotzdem sollte man bei einem Microhome, das man ganzjährig bewohnen will ein wenig auf Wandaufbauten achten, dann hat man das Optimum rausgeholt.

Microhomelife ist einfach, minimalistisch, überschaubar und nachhaltig. Genauso wie es sein soll. Microhomes mit vernünftiger Wandstärke sind die wahren Saubermänner nicht Villen mit 400m2, bei denen es gar nicht so schwierig ist Passivhauswerte zu schaffen.


  1. HAKforst

    Milchmädchenrechnung (österreichisch)!
    Ganz so, wie dargestellt ist es nicht, da sollte sich der Microhome-Mensch erst mal richtig „schlau“ machen. Die Baugenehmigung wird nach der Europ. Richtlinie EPBD erteilt und nicht nach der Lieschen-Müller Methode, wie dargestellt (zumindest in Deutschland).
    Erstens müssen alle Bauteile die im jeweiligen Land vorgegebenen höchzzulässigen U-Werte in W/(m²K) einhalten und dann die entsprechende Technik nach wissenschaftlich fundierter Berechnung. Daraus ergibt sich eine Gesamtenergie-Effizienz.
    Sicher ist ein eigenes freistehendes Bungalow pro (single) Kopf der Bevölkerung die unwirtschaftlichste und unökologischste Methode zu wohnen – ein wahrer Luxus!
    Das muss bezahlt werden – und da Energieverschwendung auch einen sozialen Aspekt hat – alle zahlen mit durch Resourcenverbrauch und Umweltschädigung…
    Daher muss durch hohe spezifische (Energie-)Kosten dieser Unsinn eingeschränkt werden. Man kann ja auch diese Microhomes neben- hinter und aufeinander stapeln und bekommt dann ein hoch energieeffizientes Appartementhaus ohne horrenten Landverbrauch. Denn dan haben wir nur noch eine Aussenwand statt sechs!
    Also bitte gehe in Dich statt ins Microhome und überlege etwas rationaler.
    HAK

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    1. comment by losmuchachos
      admin

      @ HAK

      schöne Worte und wirre Sätze. Ich gebe dir recht, aber es steht auch wirklich gar nicht im Widerspruch zu dem von mir gesagten! ????

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