Küchenfront – ein Überblick

Beim Küchenkauf stellt sich immer die Frage nach dem richtigen Frontmaterial. Hier ein kleiner Überblick, wie er mir von

einem Tischler vermittelt wurde.

Trotz zahlreicher phantastischer Namen, die Küchenhersteller für Ihre Fronten erfinden, gibt es eine überschaubare Anzahl von Techniken um eine Küche herzustellen.

Zur besseren Übersicht möchte ich erst auf die verschiedenen Platten eingehen, die verwendet werden, danach auf die Arten der Beschichtung. Zuerst wird eine Holzplatte genommen. Üblich ist eine Stärke von 19mm. Hier gibt es im Wesentlichen MDF, Pressspan und Vollholz.

MDF (mitteldichte Faserplatte) hat den Vorteil, dass es ein sehr homogener, feiner, aber auch harter Werkstoff ist. Dadurch kann eine MDF-Platte direkt lackiert werden. Kanten können gerundet oder anders bearbeitet werden. Dadurch sind auch Kassettenoptiken oder Zierränder durch Ausfräsungen möglich. Es können auch z.B. Griffmulden eingefräst werden etc. Die MDF Platte ist hart genug. Auch die Ränder sind so stabil, dass Kanten nicht weiter verstärkt werden müssen. Es sind also keine Kunststoffkanten nötig. Grosser Nachteil der MDF Platte ist, dass man sie nicht wirklich feuchteresistent produziert werden kann. Es gibt zwr hochfeuchtefeste Platten, diese halten aber entweder nicht was sie versprechen oder manche Hersteller verwenden diese nicht. Tatsache ist, dass es anscheinend häufiger Probleme mit der feuchteresitenz gibt. Wird die Beschichtung der MDF Platte undicht, so neigt sie relativ leicht zum Aufquellen. Wer wirklich alles über MDF wissen will ist wie immer auf Wikipedia gut beraten.

Die andere Variante ist die Spanplatte. Ihr Nachteil ist, dass sie durch ihre grobe Struktur und die inhomogene Pressung (Platte ist in der Mitte weniger dicht gepresst als aussen.) schlecht bearbeiten lässt. Konkret bedeutet das, dass an den Rändern Kanten aufgeklebt werden müssen. Weiters sind keine grösseren Radien bei Rundungen möglich. Vorteil ist die Feuchteresistenz und Härte. Eine geklebte Kunststoffkante ist widerstandsfähiger als eine MDF Platte.

Heute schon fast Aussenseiter ist Vollholz. Es wird aus massivem Holz gefertigt. Gut bearbeitbar und bei sorgfältiger Verarbeitung auch gut feuchteresistent. Die Härte ist von der Holzart abhängig meist nicht mit der einer Spanplatte zu vergelichen, ein Kratzer etc. ist allerdings auf Vollholz auch bei weitem nicht so zu sehen. Vollholz wird üblicherweise auch in Holzoptik belassen, was heute etwas aus der Mode kommt. Behandlung erfolgt über Ölen oder Lackieren. Was davon besser ist ist Philosophiefrage. Leider ist auch preislich Vollholz als Aussenseiter zu werten, weil schönes, gut verarbeitetes Vollholz seinen Preis hat.

An alternativen Materialen ist vor allem Glas zu nennen. Glas ist sehr gut zu pflegen, hart und unempfindlich. Es erfüllt den heutigen Trend zur Glanzfront. Preislich ist Glas aber auch ganz oben angesiedelt.

Die häufigsten Platten (MDF und Spanplatte) müssen noch mit einer „Schutzschicht“ überzogen werden. Sich hier im Dschungel der Angebote zurecht zu finden ist oft nicht leicht, weil jeder Hersteller laufend neue Produkte auf den Markt bringt, die sich meist hauptsächlich durch den Namen unterscheiden. Hier die wichtigsten Beschichtungsmethoden.

Folienbeschichtungen

Folienküchen sind die billigsten Küchen. Bei besonders billigen Küchen wird die Folie nur links und rechts über die Front gezogen und oben und unten werden Kanten aufgeklebt. Andere Hersteller können die Folie schon auf allen Seiten überziehen, was die Optik deutlich verbessert. Obwohl die Optik recht annehmbar ist, ist eine Folienküche qualitaitv die schlechteste Wahl. Es muss aber auch erwähnt werden, dass zahllose Folienküchen 15 Jahre alt sind und immer noch toll aussehen. Ablösende Folien usw. sind also anscheinend kein Muss, wenn der Hersteller passt.

Dekorspanplatten

Dekorspanplatten sind in zahllosen Dekoren erhältlich. Sie haben eine hauchdünne Melamimharzbeschichtung. Die Platten werden praktisch immer für den Korpus verwendet, aber durchaus auch für Fronten. Es gibt auch mit Dekorpapier überzogene MDF Platten. Auch Dekorspan gibt es in unterschiedlichen Qualitäten, es ist aber für den Laien leider kaum festzustellen, welche Qualität verwendet wird. Dekorpapier reicht von hauchdünn bis zu ca. 1mm, bei Qualitätsprodukten.

Schichtstoffplatten

Tischler verwenden auch Schichtstoffe zum Beschichten der Spanplatten. Das sind die selben Oberflächen, wie sie für Arbeitsplatten verwendet werden und damit sind sie praktisch unverwüstlich. Eine Küche aus Schichtstoffplatten ist (gut gearbeitet) etwas für die Ewigkeit. Wie beim Dekorspan muss aber seitlich eine Kante aufgeklebt werden. Diese Kanten sind definitiv nicht schön. Es gibt sie in 2mm und für kantigere Optik auch in 1mm. Heute gibt es auch schon weisse Kleber, weshalb Klebekanten bei hellen Küchen nicht mehr ganz so übel aussehen wie früher.

lackierte Front

Bei der rein lackierten Front werden MDF-Platten in mehr oder weniger Arbeitsschritten mit Lack überzogen. Hier gibt es nicht nur grosse Unterschiede bei Lackqualität, sondern auch bei den Vorbereitungsmassnahmen. Vor dem Lackauftrag wird vorgestrichen und gefüllert, alles Massnahmen um die Oberfläche perfekt eben zu bekommen. MDF Platten können (siehe oben) direkt lackiert werden. Lack ist optisch auf jeden Fall die hochwertigste Front. Es können verschiedene Glanzgrade und alle Farben lackiert werden. Mit Polieren sind perfekte Hochglanzoptiken möglich. Lack hat natürlich eine gewisse Kratzempfindlichkeit. Ist dann auch die Untergrundvorbereitung schlecht kann es Probleme mit Feuchtigkeit geben. Mit Lack ist eine perfekte kantenlose Optik möglich, was wahrscheinlich der größte Vorteil von Lack ist.

Nachdem Spanplatten gewisse Vorteile bieten (siehe oben), jedoch nicht dirket lackiert werden können, weil sie zu grob sind, gibt es auch die Variante Spanplatten mit fertiger Oberfläche zu lackieren. Man erspart sich die recht aufwändigen Vorbereitungsmassnahmen, und dadurch Kosten. Auch eine überlackierte Küche darf als Lackküche verkauft werden. Hier hängt die Qualität wesentlich von der verwendeten Platte ab. Es gibt leider immer noch Produzenten, die Folienküchen überlackieren (meist mit Glanzlack) und diese als Lackküche verkaufen. Davon ist gar nichts zu halten und wird heute zum Glück auch kaum mehr gefertigt. Lackierte Folienküchen sind nochmal problematischer als reine Folienküchen.

Dann können auch Dekorspanplatten oder Schichtstoffplatten lackiert werden. Lackierte Schichtstoffplatten sind prinzipiell eine sehr hochwertige Lösung. In der Härte liegen sie über der lackierten MDF Platte. Lackierter Dekorspan ist die „Billigvariante“ dazu.

Der Vorteil des Überlackierens liegt einzig in der besseren Optik. Vor allem die Kanten können dadurch versteckt werden. Qualitativ gewinnt die Küche dadurch nicht. Lack ist kratzempfindlicher als die Platten selbst.

Daher meine subjektive Reihung in Punkto Qualität / Unempfindlichkeit / Haltbarkeit und Optik:

Unempfindlichkeit (Kratzer etc.):

1. Schichtstoff

2. Dekorspan

3. Folie / Lack

Haltbarkeit

1. Schichtstoff

2. Lack

3. Dekorspan

4. Folie

Optik

1. Lack

2. Folie

3. Schichstoff / Dekorspan


  1. Chris

    Sehr gute Beschreibung. Neulich hat mich meine Nachbarin wegen Küchen-Einbau angesprochen. Da habe ich sie direkt auf diese Seite weitergeleitet. Sie will sich in ihrer Eigentumswohnung eine neue Küche einrichten. Jetzt weiß sie dass sie beim Material-Wahl zwei mal hinschauen muss. Gruß.

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    1. comment by losmuchachos
      admin

      @chris: danke.

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  2. Julie

    Hey super Beitrag. Gerade die Zusammenfassung der drei Bereiche optik, Empfindlichkeit und Haltbarkeit. Super 🙂 Hab bisher immer nur auf das Design geachtet und mich anschließend geärgert. Beim nächsten Mal weiß ich bescheid.

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  3. Linda

    Welcher Küchenerzeuger hat eine Schichtstoffküche und wie kann ich mich davon überzeugen? Der Verkäufer kann ja viel erzählen, wenn ich keine Beweise anfordern kann!
    Danke

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    1. comment by losmuchachos
      admin

      Interessante Frage. Internet. Ansonsten hat Schichtstoff schon eher eine etwas „wertere“ Optik und Haptik. Aber eigentlich ist es sicher für den Laien kaum zu beurteilen. Keine Ahnung ob der Fachmann das immer 100% sicher feststellen kann. Guten Verkäufer suchen und vertrauen, sowie Internerrecherche ist das einzige was mir jetzt einfällt.
      lg

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