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Wasserleitung verlegen

Wasserinstallation hat viel von seinem Schrecken verloren. Waren alte Rohrsysteme noch etwas für den Fachmann, gibt es heute extrem einfach zu verarbeitende Systeme, die jeder Installateur nützt, die aber auch für den Heimwerker einfach erhältlich sind und deren Verlegung ein wahres Kinderspiel ist. Heute haben sich im wesentlichen Press- und Schweißsysteme durchgesetzt. Für den Heimwerker derzeit geeigneter ist das Schweißen von PPR-Rohren. PPR-Rohre sind deutlich billiger als Pressmaterial, PPR-Rohre sind heute in jedem Baumarkt erhältlich und das Schweissgerät bekommt man im Baumarkt für wenig Geld. Aber erst mal von Anfang an:

Welches Material

PPR-Rohr aus dem Baumarkt

Wir verwenden sogenannte PPR-Rohre. Vielleicht sind dir diese schon einmal im Baumarkt aufgefallen. Sie sind in verschiedensten Durchmessern in 2 oder 5 Meter Stangen erhältlich und sind im Baumarkt meistens grün, manchmal weiss. Der Installateur verwendet gerne die blauen Keilt Rohre, die ein kleines Vermögen kosten, aber auch das selbe sind. Dazu gibt es alle Arten von Fittingen und Formstücken. Ob das Rohr diffusionsdicht ist oder nicht ist für die Wasserinstallation nicht relevant. Meiner Meinung nach gibt es zwischen den Materialien keinen Unterschied. Man kann hier ohne weiters den Preis entscheiden lassen. Bei Übergängen auf Metall erkennt man Verarbeitungsunterschiede, allerdings hatte ich auch mit Baumarktware noch nie ein Problem.

Dieses Rohr wird in die richtige Länge geschnitten und mit Hilfe von Fittingen zu beliebigen Gebilden verschweißt. Man überlegt sich also wo man sein Rohr legen will, zeichnet sich das eventuell an der Wand etwas an und schneidet sich Rohrstücke so zurecht, dass gewünschter Aufbau entsteht.

Welches Werkzeug

Man benötigt ein Muffenschweißgerät. Der Name sollte einen nicht schrecken. Das Ganze hat mit Schweißen gar nichts zu tun. Das Gerät ist technisch gesehen eher ein Wasserkocher als ein Schweißgerät. Man bekommt diese Geräte heute für ca. 200 Euro im Netz und auch in einigen Baumärkten. Es sollten wenigstens Aufsätze (auch Matrizen oder Heizdorne etc. genannt) in den Größen 20mm, 25mm und 32mm enthalten sein. Manchmal bekommt man auch noch 40mm. Ausleihen zahlt sich meiner Meinung nach kaum aus, wenn man Geld dafür bezahlt. Hat man so ein Gerät erst mal braucht man es überraschend oft (klingt komisch, ist aber so). Wenn man sich nur einmal den Ruf eines Installateurteams erspart amortisiert sich das Gerät bereits.

Kein Muss, aber sehr empfehlenswert ist eine Schere zum Schneiden der Rohre. Natürlich kann man das Rohr auch mit der Eisensäge schneiden und dann entgraten, mit der Schere ist so ein Rohr aber in wenigen Sekunden durch, was in Summe viel Zeit spart. Selbst bei kleinen Installationen braucht man schnell mal ein duzend Schnitte. Im Link rechts findet man ein sehr günstiges, aber völlig ausreichendes Modell, wie ich es seit Jahren verwende.

Zum Dichten von Metallgewinden braucht man noch etwas Hanf, oder Dichtband. Dann braucht man noch immer wieder eine (oder besser 2) Rohrzangen. Das wars auch schon an Werkzeug.

Welchen Durchmesser

Die Rohre gibt es in verschiedenen Durchmessern. Wer mit den alten Zolldurchmessern etwas anfangen kann, dem hilft schon mal diese Tabelle:

  • 1/2 Zoll -> 20mm
  • 3/4 Zoll -> 25mm
  • 1 Zoll -> 32mm
  • 5/4 Zoll -> 40mm

In diesen Dimensionen sind dann auch die Übergänge auf Metall verfügbar. Will man also an bestehendes Netz anschliessen, dann sucht man sich am einfachsten eine bestehende Eisenmuffe, sägt dahinter ab, dreht das abgesägte Rohr heraus und dreht (mit Hanf oder Teflon abgedichtet) einen Übergang auf PPR Rohr hinein. Daran kann man jetzt beliebig PPR schweißen.

Legt man ganz neu, so kann man sagen, dass man zu einer einzelnen Entnahmestelle normalerweise 20mm legen kann. Sollen mehrere Entnahmestellen gespeist werden, oder sehr grosse Distanzen überwunden werden, so kann man auch mal 25mm legen. Alles andere ist für normale Wasserinstallation weniger notwendig. Beispiel für 32mm Rohr wäre die Steigleitung in einem Mehrfamilienhaus aus dem Keller nach oben. Oder auch eine Leitung vom Brunnen zu einer Entnahmestelle, die extreme Wassermengen liefern soll (für Pool etc.) Gut bewährt hat sich z.b. die Steigleitung mit 32mm, in einem Geschoss die Verteilung mit 25mm und die Zuleitung zu einzelnen Entnahmestellen mit 20mm. Vorteil einer grosszügigeren Dimensionierung ist, dass der Druck bei einer Entnahmestelle nicht abfällt, wenn eine andere aufgedreht wird. Beim Warmwasser würde ich eher kleiner dimensionieren, weil man bei zentraler Warmwasserbereitung erst einmal das ganze Rohr mit Warmwasser füllen muss, bevor dieses beim Hahn ankommt und dies bei größeren Rohrdimensionen eine längere “Vorlaufphase” bedeutet, bevor das Warmwasser ankommt.

Es sind alle Arten von Reduktionen etc. erhältlich.

Wie schliesse ich eine Amateur etc. an

Üblicherweise wird am Ende einer PPR-Leitung eine Wandscheibe gesetzt (unter Putz). Das ist ein rechtwinkliger Übergang von 20mm PPR auf ein 1/2 Zoll Metallinnengewinde. Da hinein wird ein so genanntes Eckventil gedreht an das wiederum Amaturen angeschlossen werden. Das Eckventil ist bereits über Putz und man kann sich das Ding an jeder Badezimmeramatur unter dem Waschbecken ansehen.
An Unterputzspülkästen oder Unterputzamaturen kann man direkt einen Übergang auf PPR-drehen (mit Hanf dichten) und von dort weiterschweißen. Hier sollte man sich andere Installationen genauer ansehen, sich beraten lassen und die Amateuren vorher ein wenig durchsehen, damit man in der richtigen Höhe etc. installiert.

Bei Brause- und Wannenamaturen müssen die beiden Wandscheiben für Kalt- und Warmwasser im richtigen Abstand, der Richtigen Höhe und waagrecht nebeneinander sein. Allerdings wird später noch ein Exzenter eingedreht, mit dem kleinere Ungenauigkeiten ausgleichen kann.

Einen Wasserhahn kann man direkt in eine Wandscheibe schrauben. Im Anschluss folgen zahlreiche Fotos, damit man sich ein Bild machen kann.

Rohre isolieren

Man sollte die Rohre isolieren. Es gibt dazu Iso-Schläuche, die über das Rohr gezogen werden. Auch eine Kaltwasserleitung sollte man isolieren. Dies hat einerseits den Vorteil, dass sich kein Kondenswasser daran bildet, es macht die Leitung aber auch etwas leiser bzw. gibt es der Leitung etwas Spielraum, wenn man sie verputzt oder in den Estrich legt. An Ecken muss man den Schlauch abschneiden, weil dieser nicht über die Muffe geht. Die Ecken sollte man mit einem Band isolieren. Früher hat man dazu so Stoffbänder verwendet, heute gibt es isolierendes Klebeband in der selben Farbe wie die Isoschläuche.

Wie schweißt man

Jetzt zum eigentlichen Schweißen. Das Prinzip ist sehr einfach. Zuerst schraubt man den richtigen Aufsatz auf das Schweissgerät (richtiger Durchmesser) auf die meisten Geräte kann man auch 2 Aufsätze schrauben. Dann steckt man das Gerät ein und wartet bis es auf Temperatur ist. Dafür gibt es immer eine Anzeige (Lämpchen etc.)

Jetzt drückt man das Ende des Rohres in den einen Teil des Heizdorns, und die Muffe schiebt man auf die andere Seite. So wird das Rohr und die Muffe so heiß, dass die etwas anschmelzen. Nach einer kurzen Heizphase zieht man Rohr und Muffe von Schweißspiegel und steckt sie zusammen. Zu beachten ist, dass einerseits der Kraftaufwand mit größer werdendem Durchmesser stark steigt. Im Video sieht man das Schweißen eines 32mm Rohres an eine gerade Muffe. Hier ist schon einiges an Kraft nötig. Man sollte Muffe oder Rohr auch nicht drehen, sondern nur gerade auf das Gerät bzw. zusammenschieben. Dann gibt es noch zu beachten, dass man gerade größere Durchmesser ein wenig am Gerät läßt, damit der Kunststoff ordentlich angeheizt wird. Bei 20mm Rohren reichen ein paar Sekunden und relativ wenig Kraft. Bei 32mm (wie im Video) gebe ich dem Rohr schon einige Sekunden um sich ordentlich zu erhitzen.

“Kompliziertere” Konstruktionen mit vielen Winkeln etc. schweißt man am besten erst “am Boden” fertig und schweißt sie erst dann an Ort und Stelle an. Obwohl ich schon sehr viel alleine geschweißt habe und das sehr oft auch möglich ist gibt es Schweißstellen für die eine 3. Hand unumgänglich ist. Man braucht als manchmal einen Helfer, der den Schweißspiegel hält und entfernt. Selber hat man dann die beiden PPR Teile in der Hand und schiebt diese auf das Gerät bzw. zusammen.

Dann sei noch der Tipp gegeben, dass man, wenn es enger wird, vorher genau überlegt was man zuerst schweißen muss. Man benötigt um das Gerät zwischen Rohr und Muffe zu bringen ein Spiel von ca. 10 cm. Dieses Spiel hat man nicht an jeder Schweißstelle, so dass man vorher überlegen muss welche Stelle man zuletzt scheißt weil man dort das ausreichende Spiel hat.

Zur Beruhigung möchte ich aber auch anmerken, dass ich als Laie schon sicher 500 “Schweißungen” gemacht hab und noch keine undicht wurde, obwohl schon ganz furchtbare dabei waren, die völlig schief wurden, weil kaum Platz war. etc. Dicht wurden sie alle und auch über viele Jahre noch keine undicht. Ich hab mich schon öfter vertan, und es blieb zuletzt eine “unlösbare” Schweißung übrig, weil einfach nicht der nötige Platz da war etc. Hier muss man halt man einen Teil wieder runterschneiden und zuletzt mit einer gerade Muffe wieder anschweißen. Je genauer man sich das vorher durchdenkt, desto weniger Fehler passieren.

Befestigung der Rohre

Die Rohre werden bei Aufputzinstallation mit Rohrschellen an der Wand oder der Decke befestigt. Da das Rohr gerade bei Füllung mit heissem Wasser etwas zum Durchhängen neigt, gibt es noch Metallschienen, die man auf das Rohr Klippen kann damit es nicht durchhängt. Will ich gut isolieren verwende ich gerne grosse Rohrschellen und befestige darin gleich das Rohr mit der Isolierung.

Unter Putz wird mit dünnem Isoschlauch isoliert und verputzt. In Rigipswänden verwendet man ebenfalls den Isoschlauch und befestigt Wandscheiben etc. am besten mit Holzstücken etc. Hier kann man ohne weiters improvisieren. Die Fotos unten können Ideen liefern.

Was kann man damit installieren

Wasserinstalationen sind alle mit PPR möglich. Egal ob warm oder kalt. Für Heizungen wird es mittlerweile auch ganz gerne verwendet, allerdings MUSS dabei das Rohr diffusionsdicht sein. Dazu ist ein Mehrschichtrohr nötig, bei dem eine Metallschicht im Rohr eingearbeitet wird. Es werden die notwendigen Dichtigkeit so erreicht, obwohl die Muffen nicht diffusionsdicht sind.

Ich hoffe mit dieser Anleitung etwas die Angst vor Wasserinstallationen genommen zu haben. Ich kann das PPR System nur wärmstens empfehlen. Ich habe jetzt 2 ganze EFH damit installiert und hatte noch keinerlei Probleme. Ein wenig informieren oder auch hier Fragen und sich einfach drübertraue, dann klappt das ;-)

Verschiedene Fittings und Übergänge

Unterputzamatur von hinten in Rigipswand

Waschtisch von hinten, UP-Amatur von vorne direkt mit Übergängen auf PPR angeschlossen

Installationchaos im Keller, noch nicht fertig isoliert

Muffenschweissgerät mit einem Heizdorn

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